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Fachgerechte Grünlanderneuerung

Agrar News
17.02.2014

Wann ist im Grünland eine Nachsaat besser, wann eine Neuansaat?

Nach strenger Winterung sieht die Grasnarbe durch Auswinterung oft lückig aus, während Grünland nach milden Wintern meist sehr grün und frisch aussieht. Erst bei genauerem Hinsehen fällt die geringe Narbendichte oder der hohe Anteil an unerwünschten Pflanzen auf. Eine genaue Bestandsaufnahme tut Not.

Für die heutige Milchviehfütterung und eine hohe Grundfutterleistung sind leistungsfähige und energiereiche Gräsersorten unabdingbar. Besonders das Deutsche Weidelgras wurde hier züchterisch stark auf höhere Verdaulichkeit bearbeitet.

Nachsaat bei geringem Konkurrenzdruck der Altnarbe

Sobald die Weide noch über 50 Prozent Gräser mit einem guten Futterwert, aber über 20 Prozent Lücken aufweist, empfiehlt sich die Nachsaat mit einer für den jeweiligen Standort und die jeweilige Nutzung geeigneten Mischung.

Saatstärke Nachsaat: fünf bis zehn Kilogramm Saatgut pro Hektar auf die bestehende Altnarbe mit einem Schneckenkornstreuer, Striegelaufsatz oder von Hand ausgebracht.
Saatstärke Durchsaat: rund 20 bis 25 Kilogramm Saatmenge pro Hektar mit Spezialgeräten in die Altnarbe eingebracht
Saattermine Nachsaaten: zeitiges Frühjahr und Spätsommer. Im Frühjahr gibt die Bodenfeuchte den Grassamen gute Auflaufbedingungen, allerdings ist auch der Konkurrenzdruck der Altnarbe groß.
Im Spätsommer ist umgekehrt der Konkurrenzdruck der Altnarbe geringer, doch die Feuchteverhältnisse im Boden sind oft unzureichend.
Wahl des Saatgutes: konkurrenzstarke und schnellwüchsige Arten, hierzu gehören die Deutschen Weidelgräser und der Wiesenschweidel, eine Kreuzung aus Wiesenschwingel und Welschem Weidelgras.
 

Wann lohnt die Neuansaat?

Wenn der Grünlandbestand zu mehr als 50 Prozent aus Unkräutern und weniger wertvollen Gräsern besteht, lohnt eine Neuansaat. Diese will gut überlegt sein, denn die Kosten und das Risiko sind nicht unerheblich. Sowohl aus ökonomischer und vor allem aus ökologischer Sicht ist die regelmäßige Erneuerung von Grünland auf absoluten Grünlandstandorten wie Mooren oder Überschwemmungsgrünland sehr kritisch zu bewerten.

Eine gängige Methode ist das Abtöten der Altnarbe, die Neuansaat eventuell unter einer Deckfrucht, beispielsweise mit einjährigen, kurzlebigen Ammengräsern und die zum jeweiligen Standort passende Nachbehandlung wie Walzen, sachgemäßer Düngung und Pflanzenschutz sowie Schröpfschnitt.

Bei der Neuansaat ohne Narbenzerstörung wird mit Schlitzgeräten in die abgetötete Grasnarbe gedrillt, die Bodenstruktur bleibt dabei erhalten. Bei der Neuansaat mit Narbenzerstörung wird die Fläche gefräst, ist hinterher also nicht sofort wieder trittfest.

Angelika Sontheimer

Entscheidungskriterien Nachsaat oder Neuansaat

  • Wie ist der Standort allgemein? Ist er für Pflug oder Fräse geeignet?
  • Sollen Bodenunebenheiten oder Schäden durch Wildschweine oder eine hohe Anzahl an Maulwurfshaufen ausgeglichen werden?
  • Können die unerwünschten Pflanzen wie z.B. Ampfer auch selektiv bekämpft werden?
  • Welchem Zweck dient der Aufwuchs, z.B. Weide, Mähweide, Schnittwiese zur Milchvieh- oder Pferdefütterung, Landschaftspflege oder Biogasproduktion?
  • Wie lange (Dauer- oder Wechselgrünland) soll der Aufwuchs genutzt werden?