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Zuckerrübenjahr 2014 - Erfahrungen mit Zwischenfruchtmischungen in der Rübenfruchtfolge

Aktuelles Zuckerrüben
29.11.2014

Wie lassen sich Greening-Anforderungen im Zuckerrübenanbau gut umsetzen? Welche Auswirkungen haben Zwischenfruchtmischungen auf die Bodenfruchtbarkeit und die Bodenstruktur?

Gero Wanner
Gero Wanner Gero Wanner;
Foto: Heike Wanner

Agraringenieur Gero Wanner bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit Marktfrüchten und Dauergrünland und betreibt eine international erfolgreiche Pferdezucht in Leonberg in Baden-Württemberg. In der Fruchtfolge stehen Zuckerrüben, Winterweizen, Sommerbraugerste, Sommerhafer, Luzerne und Blühbrache oder Zwischenfrüchte. Es ist ein Standort mit schweren lehmig-tonigen Muschelkalkverwitterungsböden, die Bewirtschaftung erfolgt hauptsächlich pfluglos mit Mulchsaat. Zuckerrüben werden auf rund 15 ha Fläche angebaut.

Herr Wanner, wie lief denn das Zuckerrübenanbaujahr 2014 bei Ihnen?
Dazu muss ich etwas ausholen: Durch die schwache Entwicklung der Zwischenfruchtmischungen im Jahr 2013 und dem fehlenden Frost im Winter mussten die Zuckerrübenflächen vor der Aussaat mit einem Totalherbizid behandelt werden, da der Aufwuchs teilweise noch da war. Wir starteten extrem früh mit der Saatbettbereitung und hatten danach das Problem, dass anhaltende Winde das Saatbett austrockneten. Die Saat erfolgte Mitte März, die Rüben sind aufgrund fehlender Niederschläge erst fünf bis sechs Wochen später in Etappen aufgelaufen. Daher war es schwierig, die erste NAK-Spritzung passend zu setzen, ohne die noch auflaufenden Rüben zu gefährden. Eine leichte Spätverunkrautung war die Folge. Erstaunlich hatten die Rüben keinen Befall mit Cercospora, sondern lediglich etwas Mehltau. Ich achte auf blattgesunde Sorten, um eine Fungizidmanahme zu einzusparen.

Durch die Etagenrüben wurden die kleineren, später aufgelaufenen Rüben stark beschattet, die Bestände waren daher nicht homogen. Die übliche Vorsommertrockenheit gipfelte in Extremtemperaturen von 36 Grad um Pfingsten. Das bedeutete Trockenstress für die Rüben. All diese Faktoren führten beim Rübenertrag trotz früher Saat und reichlich Sommerniederschlägen nur zu einem durchschnittlichen Ertrag auf mehrjährigem Niveau im Rübenrekordjahr 2014 von knapp über 70 t pro ha, im Vergleich zu 85 t in Baden-Württemberg. Dazu muss ich allerdings sagen, dass wir sehr frühe Rodetermine hatten. Da es in der Woche vor dem 1. Rodetermin am 25. September geregnet hat, lagen die Zuckergehalte wie im gesamten Einzugsgebiet des Südzuckerwerkes in Offenau bei niedrigen Werten um 17 %, während sie im Schnitt der letzten fünf Jahre bei 18,5 % lagen. Die Rüben für den 2. Liefertermin werden Anfang Dezember abgeholt, die Hoffnung für weiteren Ertragszuwachs und höherem Zuckergehalt aufgrund der Sonnenstrahlung bleibt bestehen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die frühe Aussaat bei Anbau auf günstigeren Standorten mit Pflug zu mehr Feuchtigkeit führte und deutlich besser war.

Sie legen ja sehr viel Wert auf den Zwischenfruchtanbau und bauten schon Zwischenfrüchte an, bevor es das Wort Greening gab. Können Sie uns dazu noch etwas berichten?
Früher wurde im Betrieb nematodenresistender Gelbsenf vor Winterfurche beim Sommergetreide und zur Mulchsaat bei Zuckerrüben angebaut. Im „MEKA-Programm“ war die Herbstbegrünung Pflicht. 75% unserer Flächen liegen im Wasserschutzgebiet. Durch den Rückgang der Nitratwerte bei Kontrollen in den Betriebsgemarkungen ist die Begrünungspflicht und die finanzielle Unterstützung weggefallen. Im Rahmen der MEKA-Fünfjahresverpflichtung führten wir dann auf kleineren Schlägen Blühbrachemischungen ein, die jeweils eine Saison als Vorfrucht vor Winterweizen standen. Seither habe ich die tolle Wirkung auf die Bodenstruktur nach einer solchen Pflanzengemeinschaft kennen und schätzen gelernt. Mit der Einführung des Erosionskatasters und damit einhergehenden Einschränkungen beim Pflugverbot und bei der Einarbeitung des Aufwuchses nicht vor Mitte Februar stand das System Gelbsenf vor dem Aus. Neue Ackerflächen in Hanglagen ließen sich mit vorhandener Saattechnik bei der Sommergerstenbestellung nicht mehr zufriedenstellend bewirtschaften, da der Senf nicht mehr als optimaler Partner für die Mulchsaat angesehen wird.

Daraufhin probierte ich mehrere Zwischenfruchtmischungen in Kombination mit dem im Betrieb anfallenden, verotteten Pferdemist aus und habe dabei umfangreiche Erfahrungen gemacht. Für den Einsatz von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des geforderten Greenings sprechen auf meinem Betrieb viele Gründe: Das System ist etabliert, praktikabel und hält die knappe Flächenausstattung für den intensiven Marktfruchtanbau frei. Zu Zuckerrüben baue ich eine speziell für den Rübenanbau konzipierte Mischung mit Sommerwicke, Felderbse, Rettich, Alexandrinerklee, Phacelia und Ramtillkraut an. Diese Mischung lässt sich schnell etablieren und bringt bei zeitiger Ansaat eine Unterdrückung des Ausfallgetreides und der Unkräuter. Der Pferdemist wird in den stehenden Bestand ausgebracht, das gehäckselte Stroh wird nach der Ernte eingegrubbert. Wir bergen nur 20% des Strohs, meist Winterweizenstroh. Das Stroh wird kurz geschnitten gepresst, damit es besser saugt. So verbrauchen wir weniger und haben eine höhere Umsetzung in der Rotte, was wiederum der Bodenfruchtbarkeit zugute kommt

Die organische Masse wird schnell verarbeitet und wir erhöhen die Regenwurmaktivität und verbessern die Bodenstruktur und die Bodenfruchtbarkeit. Weil die Mischung rund 50 % Leguminosen enthält, kann ich die Stickstoffmenge zu Zuckerrüben um ca. 15 % reduzieren. Mit dieser Zwischenfruchtstrategie erwarte ich langjährig gute Erfolge im Zuckerrübenanbau, rate aber vor Selbstmischungen ab, da das richtige Mischungsverhältnis nicht einfach nach Gewicht oder Volumenprozent zu bestimmen ist. Ein wenig traurig stimmt mich, dass mit der Greeningverpflichtung viele Praktiker diese Zwischenfruchtmischungen aussäen werden, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, ohne dass sie sich den Nutzen dieser Biodiversität zu verinnerlichen.

Herr Wanner, vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten!

Die Fragen stellte Angelika Sontheimer

 
Weitere Information zu Rübenernte
Rübenernte und -lagerung (PDF auf externer Website), Broschüre des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes Zuckerrübe