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Deutschlands Enthaltung öffnet Genmais die Tür

Aktuelles Mais
12.02.2014

Zulassung der Pioneer Sorte 1507 faktisch abgenickt / Pflanze produziert Gift gegen Maiszünsler

Agrar- und Umweltfachleute der großen Koalition hierzulande wie auch Mitgliedsvertreter der EU-Staaten haben ein neues Streitthema. Es geht um die Zulassung von Genmais 1507 des US-Konzerns Pioneer in Europa. Bisher befürworten Großbritannien und Spanien die Zulassung. Italien, Ungarn und Frankreich sprechen sich eindeutig dagegen aus. Obwohl Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein deutsches Nein zu Genmais im EU-Ministerrat bevorzugen, hat Angela Merkel ein Machtwort gesprochen. Deutschland enthält sich.

Keine qualifizierte Mehrheit

Der Allgemeine Rat der EU entscheidet über das Wohl und Wehe von Genmais hierzulande und braucht dafür eine qualifizierte Mehrheit, die mit der deutschen Enthaltung nicht zustande gekommen ist. Jetzt muss die EU-Kommission entscheiden, die bereits signalisiert hat, die Zulassung zu erteilen. Ansonsten wäre die Welthandelsorganisation (WTO) auf den Plan gerufen worden, die Verbote von gentechnisch veränderten Pflanzen nur in Extremfällen akzeptiert. Deutschlands Enthaltung kommt damit, so Greenpeace in einer Pressemitteilung, einer Zustimmung gleich.

Vorteile für Landwirte

Forscher sehen in der Zulassung von Mais 1507 klare Vorteile für die Landwirte. Die Sorte ist gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent und produziert ein Gift gegen den Maiszünsler. Verwendet werden soll Mais 1507 in Biogasanlagen und als Tierfutter. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganistion (FAO) werden etwa vier Prozent der weltweiten Maisernte durch die Mottenraupe zerstört.

80 Prozent der deutschen Bürger gegen gentechnisch veränderte Pflanzen

Bei den Verbrauchern ist Genmais nach wie vor umstritten. Umfragen zufolge sind 80 Prozent der deutschen Bürger und 60 Prozent der Europäer gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. In den letzten Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten immer wieder gentechnisch veränderte Organismen für Futter und Lebensmittel zugelassen. Beim Anbau gentechnisch veränderter Sorten ist der Aufschrei aus der Bevölkerung jedoch ungleich größer. Bisher wird in der EU nur ein gentechnisch veränderter Organismus (Mais Mon 810) ausgebracht.

Weil die Debatte um gentechnisch veränderte Organismen in der EU sehr intensiv geführt wird, haben die BASF und Monsanto ihre Forschungsabteilungen mittlerweile außerhalb der EU angelegt. Weitere Informationen zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln erteilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft www.bmel.de (Hier geht´s zur externen Website).

Brigitte Braun-Michels