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Unkrautkontrolle in Kartoffel strategisch angehen!

Aktuelles Kartoffeln
17.04.2017

Kartoffelexperten im Gespräch: Norbert Altrichter (Geschäftsführer der Bördeland Landwirtschaftliche Gesellschaft mbH in Wanzleben, Sachsen-Anhalt) und Dr. Stephan Brückner (Syngenta Agro GmbH, Regionaler Marketingleiter Verkaufsgebiet Ost, Magdeburg) tauschen ihre Erfahrungen und Empfehlungen für die Unkrautbekämpfung in Kartoffeln aus. 

 

Kartoffelexperte Norbert AltrichterNorbert Altrichter verantwortet als Geschäftsführer der Bördeland Landwirtschaftliche Gesellschaft mbH auf einem 2000 ha Betrieb westlich von Magdeburg die Produktion von 1000 ha Winterweizen, 330 ha, Raps, 140 ha Zuckerrüben, 250 ha Leguminosen und Mais sowie die Hähnchenmast. Stärkekartoffeln werden auf ca. 150 ha produziert. Die Ackerflächen weisen eine Bodengüte von durchschnittlich 85 Bodenpunkten auf.

 
 

 

Herr Altrichter, mit welchen Unkräutern haben Sie es auf Ihren Kartoffelflächen hauptsächlich zu tun?

Unser Betrieb befindet sich in der Magdeburger Börde. Auf unseren Kartoffelflächen finden wir die typische Begleitverunkrautung, vor allem Windenknöterich, Klettenlabkraut, Weißer Gänsefuß und seit einigen Jahren verstärkt auch Rapsdurchwuchs.

 

Was sind Ihre größten Herausforderungen bei der Unkrautbekämpfung?

Wir setzen stark auf die Unkrautbekämpfung innerhalb der Fruchtfolge und dabei besonders auf mechanische Verfahren. Das Pflanzen der Kartoffeln führen wir im gebrochenen Verfahren durch. Dadurch wird der Boden mehrfach mechanisch bearbeitet, was schon zu einer soliden Unkrautbekämpfung führt. Dann kann ein Sencor WG kurz vor dem Durchstoßen ausreichend sein, um einen sauberen Kartoffelbestand zu gewährleisten. Auf manchen Flächen brauchen wir mit Boxer eine nachhaltige Bodenkomponente. Nach der Ernte von Winterraps z.B. führen wir eine relativ schonende, oberflächliche Bodenbearbeitung durch, um möglichst den gesamten Ausfallraps zum Auflaufen zu bringen. Dieser wird erst später umgebrochen. Auf diese Weise versuchen wir, das Problem mit dem Durchwuchsraps zu kontrollieren.

 

Herr Dr. Brückner, welche Fragen zur Unkrautbekämpfung in Kartoffeln kommen bei Ihnen im Schwerpunkt an?

Landwirte fragen regelmäßig nach der optimalen Anwendungsweise von Herbiziden, zum Beispiel nach den richtigen Düsen oder der angepassten Aufwand- und Wassermenge. Gerade im mitteldeutschen Trockengebiet tauchen natürlich immer wieder Fragen nach der Wirksamkeit von Bodenherbiziden, wie Prosulfocarb, auf. Außerdem ist die Verträglichkeit der Wirkstoffe unter kritischen Bedingungen immer wieder ein Thema. Große Betriebe fragen auch immer wieder nach Fertigprodukten, um die logistischen Herausforderungen bei der Behandlung großer Schläge besser meistern zu können. Die Zulassung von Arcade, der Fertigformulierung von Prosulfocarb und Metribuzin (Boxer + Sencor) sollte gerade für diese Betriebe von Interesse sein.

 

Herr Altrichter, auf Ihren Betriebsflächen führte Syngenta Entwicklungsversuche mit Arcade durch. Sie haben dieses neue Herbizid daher bereits in Parzellenversuchen in verschiedenen Sorten auf Ihrem Standort gesehen. Was waren Ihre Eindrücke dabei?

Begeistert hat uns die sehr breite Wirkung. Wir hatten den Eindruck, dass Arcade nachhaltiger wirkt als die bisherigen Lösungen. Gespannt waren wir auf die Sortenverträglichkeit. Diese war in allen Versuchen und in allen getesteten Sorten sehr gut, besser als wir erwartet hätten. Wir haben keinerlei Verträglichkeitsprobleme beobachtet. Das war beim Einsatz der Soloprodukte oft anders. Als besonders interessant sehen wir die Möglichkeit, Arcade auch im Nachauflauf einzusetzen, was mit den Soloprodukten bisher nicht uneingeschränkt möglich war.

 

Herr Altrichter, ist die Anwendung eines fertig formulierten Pflanzenschutzmittels für Sie ein großer Vorteil?

Effiziente Arbeitsabläufe sind für unseren Betrieb entscheidend für den Erfolg. Insofern ist eine fertige Herbizidlösung aus einem Kanister eine echte Arbeitserleichterung für den Spritzenfahrer. Auch vermute ich, dass die fertige Kombination von Prosulfocarb und Metribuzin moderner formuliert ist und dadurch Wirkungsvorteile hat. Entscheidend ist für uns natürlich auch, zu welchem Preis das Herbizid zu kaufen sein wird.

 

 

Kartoffelexperte Dr. Stephan BrücknerEiner der Kulturschwerpunkte von Dr. Stephan Brückner, Regionaler Marketingleiter Verkaufsgebiet Ost, sind die Kartoffeln. Er hat unter anderem die Entwicklung des Herbizids Arcade intensiv begleitet. Syngenta führt seit Jahren Versuche auf Flächen der Bördeland Landwirtschaftliche Gesellschaft mbH durch.

 
 

 

Herr Dr. Brückner, warum ist Arcade so wichtig für das Unkrautmanagement in der Fruchtfolge?

In den Getreidebetonten Fruchtfolgen in Ostdeutschland stellen wir zunehmend Resistenzen gegen Herbizidwirkstoffe fest  nicht nur bei Gräsern sondern auch bei Unkräutern. Daher wird das Vorsorgeprinzip immer wichtiger, die vorhandenen Herbizidwirkstoffe planvoll in der Fruchtfolge einzusetzen, um diesem Trend entgegenzuwirken. Das wird langfristig für den Landwirt preiswerter sein, als später auf Flächen mit bestehender Herbizidresistenz teurere Bekämpfungsverfahren etablieren zu müssen. Vor diesem Hintergrund sehen wir gerade den Wirkstoff Prosulfocarb als Baustein für ein nachhaltiges Antiresistenzmanagement auf Getreidebetonten Standorten. Durch den Einschub der Sommerkultur Kartoffel in die Fruchtfolge und die Verwendung von Arcade entlasten wir andere Herbizide, die im Getreide- oder Rapsanbau benötigt werden, sehr gut.

 

Wie wird Ihre Herbizidempfehlung in diesem Jahr sein?

2017 ist für uns das Jahr des Übergangs vom bewährten Boxer Sencor WG Pack auf neue Lösungen. Wir bieten jetzt Boxer Sencor Liquid Pack an, eine technische Verbesserung mit flüssig formuliertem Sencor sowie das Fertigprodukt Arcade. Allerdings stehen von Arcade in diesem Jahr leider nur Teilmengen zur Verfügung. Kartoffelanbauer sollten aber schon einmal Erfahrungen damit sammeln. Insofern ist meine Empfehlung, Arcade mit 4,0 bis 5,0 l/ha im späten Vorauflauf oder im Nachauflauf bis BBCH 15 einzusetzen. Bei schwierigen Verhältnissen oder starkem Unkrautdruck sind auch Spritzfolgen von Boxer Sencor Liquid Pack und Arcade denkbar.

 

Herr Altrichter, wie sind Ihre Überlegungen zur Unkrautbekämpfung in diesem Jahr?

Wir versuchen, innerhalb der Fruchtfolge eine hohe Ackerhygiene zu gewährleisten. Wie bereits erwähnt, spielt dabei auch die mechanische Unkrautbekämpfung eine wichtige Rolle. Bei den Herbizidmaßnahmen passen wir Wirkstoffe, Zahl der Anwendungen und Aufwandmengen gezielt an die Situation an. Arcade werden wir sicher nun auch auf größeren Teilflächen ausprobieren. Ich denke, dass wir von den guten Erfahrungen bisher nun auch im Betriebsmaßstab profitieren werden.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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