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Pflanzkartoffelproduktion in Kenia

Aktuelles Kartoffeln
15.01.2018
Kartoffelfeld Kenia

Die Syngenta Stiftung für Nachhaltige Landwirtschaft führt landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern durch. Ihr Hauptziel ist die Verbesserung des kleinbäuerlichen Einkommens. Der Fokus liegt auf der Erhöhung von Erträgen und einem verbesserten Markzugang.

In Kenia läuft derzeit ein interessantes Projekt zur Stärkung des Kartoffelanbaus. Wir sprachen mit Dr. Ian Barker, Leiter der Gruppe „Landwirtschaftliche Partnerschaften“ in der Syngenta Stiftung für Nachhaltige Landwirtschaft, und George Osure, Regionaldirektor für Ostafrika.

 

 

Herr Dr. Barker, Sie leiten die landwirtschaftlichen Partnerschaften der Syngenta Stiftung für Nachhaltige Landwirtschaft. Was können Sie uns über diese Organisation und ihre Ziele erzählen?

Seit mehr als 35 Jahren unterstützt die Syngenta Stiftung Kleinbauern auf der ganzen Welt. Für Landwirte in Deutschland sind Ausbildung, Infrastruktur, öffentliche Beihilfen, Beratung und eine Vielzahl an Kunden selbstverständlich. Für Kleinbauern in Kenia oder Indien, zum Beispiel, ist das nicht der Fall. Für sie ist eine Missernte nicht bloß eine Enttäuschung; sie bedroht den Lebensunterhalt.

Indem wir mit einer großen Anzahl verschiedener Partner zusammenarbeiten, helfen wir Kleinbauern, ihre Ernte zu verbessern und profitabel zu verkaufen. Wenn sie mehr Geld verdienen, können sie ihre Lebensqualität verbessern. Wir konzentrieren uns dabei auf drei Hauptthemen: Bäuerliche Serviceleistungen, Risikominderung durch Wetterversicherungen sowie Zugang zu besserem Saatgut.

Kartoffelexperte Dr. Ian Barker

Dr. Ian Barker
Dr. Ian Barker, Leiter der landwirtschaftlichen Partnerschaften der Syngenta Stiftung, betreut das Kartoffel „Seeds2B“-Programm der Stiftung. Davor war er 25 Jahre in Forschung und Entwicklung tätig, u.a. als Leiter der Saatgutsysteme für das internationale Kartoffelzentrum CIP in Nairobi, wo er erfolgreiche Partnerschaften zwischen Anbauern und Privatfirmen entwickelte. 

 

 

 

Herr Osure, wir sprechen heute über ein Projekt zur Erzeugung von Kartoffelpflanzgut in Kenia. Als Regionaldirektor der Syngenta Stiftung in Ostafrika kennen Sie den Hintergrund sehr gut. Was beinhaltet das Projekt?

Ganz generell will die Stiftung Kleinbauern besseren Zugang zu Qualitätspflanzgut mit neuen Sorten gewähren. Speziell in Kenia ist dieses Programm, das wir „Seeds2B“ nennen, auf Kartoffeln fokussiert. Kartoffel ist die zweitwichtigste Feldfrucht im Lande. Auf einer Gesamtfläche von ca. 150.000 ha bauen sie etwa 750.000 Kleinbauern an. Das ergibt einen Pflanzgutbedarf von rund 300.000 t – bei einer Verwendung neuen Pflanzguts alle 3-4 Jahre - also etwa 80.000 t pro Jahr. Zertifiziertes Pflanzgut steht aber nur für 2 % dieser Fläche zur Verfügung.

Hier setzt unser Projekt an. Dank „Seeds2B“ kann der private Saatkartoffelproduzent Kisima Farm mittlerweile etwa 5.000 Kleinbauern pro Jahr mit 5- und 10-kg-Beuteln beliefern. Diese nutzen etwa 20 % ihrer Fläche für Vermehrung und versorgen dann ihre Nachbarn. Ihr Jahresgewinn pro ha steigt um mehr als umgerechnet 2.000 Dollar. Bei einer durchschnittlichen Anbaufläche von 0,2 ha je Kleinbauer bedeutet das also 400 Dollar mehr Einkommen. Das ist im ländlichen Kenia viel Geld. Typischerweise zahlen Bauernfamilien damit zuallererst die Schulgelder für ihre Kinder.

Interessant ist für Sie vielleicht, dass auch deutsche Unternehmen direkt oder indirekt an diesem Projekt beteiligt sind: Kisima Farm nutzt Landtechnik von Grimme und bei der Produktion neuer Sorten haben wir dort eine Kooperation mit Europlant.

Herr Barker, wie bringt sich die Syngenta Stiftung in der Regel in solche Projekte ein?

Wir verfügen selbst nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. Deswegen besteht eine wichtige Aufgabe für uns darin, Partnerschaften zu knüpfen und mit verschiedenen Organisationen und Unternehmen zusammenzuarbeiten. Aus unseren Projekten sollen immer eigenständige Wertschöpfungsketten entstehen, von denen möglichst viele Kleinbauern profitieren. Kommunikation, Aufklärung und Schulung spielen dabei eine bedeutende Rolle, typischerweise mithilfe lokaler Organisationen. 

George Osure

George Osure 
George Osure, Regionaldirektor der Syngenta Stiftung in Ostafrika ist Agraringenieur. Zunächst war er beim kenianischen Agrarministerium als Experte für Technologieentwicklung beschäftigt. Später für Care International auf dem Gebiet Profitabilität und Produktivität von Vermarktungskanälen für Kleinbauern tätig. In seiner Arbeit für die Stiftung hat er in Kenia zusammen mit öffentlichen, privaten und forschenden Einrichtungen nachhaltige und profitable Institutionen aufgebaut. 

 

 

 

Herr Osure, die Kartoffelproduktion in Kenia ist sicherlich sehr unterschiedlich zu der in Deutschland. Können Sie uns einige Herausforderungen nennen, die zu meistern sind?

Kenia hat perfekte Bedingungen für den Kartoffelanbau: Tiefgründige Böden vulkanischen Ursprungs, ausreichende Wasserversorgung und in über 2.000 m Höhe kühle Nächte. Festzuhalten ist auch, dass die Nachfrage nach Kartoffeln rapide steigt, speziell im städtischen Weiterverarbeitungssektor. Das Problem im Anbau ist die niedrige Produktivität. Bislang stieg die Produktion nur dank Flächenausdehnung. Der Ertrag liegt bei etwa 8 t/ha; selbst „gute“ Betriebe erzielen nur 15-20 t/ha. Möglich wären aber 30-40 t/ha. Diese große Diskrepanz ist vor allem auf den Mangel an Qualitätspflanzgut und auf veraltete Agronomie zurückzuführen.

Wie ist die derzeitige Situation bei der Pflanzgutproduktion?

Staatliche Organe haben nur begrenzte Möglichkeiten, zertifiziertes Pflanzgut an die Vielzahl von Kleinbetrieben zu liefern. Erst in Partnerschaften mit dem privaten Sektor konnten die Kapazitäten vergrößert werden. Die schon erwähnte Kisima Farm baut hauptsächlich Weizen an, produziert aber jetzt im Jahr auch 2.000 t Saatkartoffeln. Die Betreiberfamilie hat darin viel Geld investiert. Dieses floss in die Mechanisierung und Kaltlagerung (für 1.000 t, bald annähernd 2.000 t), in Steuerungstechnik der niederländischen Firma Tollesma sowie Sortierungstechnik von Grimme. Es ist jetzt auch erlaubt, zertifiziertes Pflanzgut aus Europa zu importieren, das einmal vermehrt werden darf. Hier kommt das erwähnte Joint Venture mit Europlant zum Tragen.

Herr Dr. Barker, welche Herausforderungen mussten gemeistert werden und was war wichtig für den Erfolg?

Wie so oft in Entwicklungsprojekten, bestand anfangs die wichtigste Herausforderung darin, alle Partner bei der Stange zu halten. Ein Privatunternehmen wie Kisima Farm muss ja weiterhin Gewinn erwirtschaften. Aber es gibt auch immer wieder Rückschläge aufgrund von Trockenheit, Krankheitsbefall und den daraus resultierenden Problemen bei der Zertifizierung. Eine weitere Herausforderung stellte der Zertifizierungsprozess selber dar. Es war sehr wichtig, die Kapazitäten der zuständigen Behörden zu verstärken. Aktuell bewegen sich Kisima und andere Betriebe aber erfreulicherweise in Richtung Selbstzertifizierung.

Kartoffelpflanzgut Kenia

Herr Osure, das Projekt läuft seit fünf Jahren. Welche sind die wichtigsten Errungenschaften für die Kleinbauern?

Wir sehen mittlerweile, dass der Pflanzgutsektor sich stetig weiterentwickelt hat. Die angestrebten Verbesserungen breiten sich weiter aus, weil sich immer mehr Kleinbauern am Projekt beteiligen. 400 von ihnen haben wir 2016 dazu befragt. Wir erfuhren, dass sie mit zertifiziertem Pflanzgut im Schnitt 30 % mehr Ertrag erzielen. Etliche haben ihre Ernten sogar verdoppelt. Sehr wichtig ist auch der Multiplikator-Effekt: Die beteiligten Kleinbauern versorgen ihre Nachbarn mit Saatkartoffeln. Somit wächst die Gesamtanbaufläche viel schneller als die reine Projektfläche.

Herr Barker, Sie sind der Kartoffelspezialist der Syngenta Stiftung. An welchen anderen Kartoffelprojekten arbeiten Sie im Moment?

Ob im Tief- oder Hochland, die Kartoffel hat klare Vorteile: Kurze Anbauperiode, akzeptable Trockenheitsresistenz und gute Erlöse. Damit hilft sie vielen Bauern in den Tropen, ihr Einkommen und ihre Ernährungssicherheit zu steigern. Des Weiteren ist die Kartoffel auch eine gute Wahl in der Fruchtfolge. Das wissen zum Beispiel auch Reisbauern im westafrikanischen Mali zu schätzen. In Deutschland ist man vielleicht überrascht zu erfahren, dass diese Bauern mit Kartoffeln in der Nebensaison mehr verdienen, als mit dem eigentlichen Reisanbau.

Neben Westafrika wiederholen wir unseren kenianischen Erfolg zurzeit auch in Tansania, Ruanda und Indonesien. Das Hochland von Myanmar scheint ebenfalls sehr gut geeignet zu sein. 2018 untersuchen wir auf Bitten der Regionalverwaltung, ob wir auch in der sehr armen chinesischen Provinz Gansu bei der Produktion zertifizierter Saatkartoffeln helfen können. Ferner entwickeln Teams unserer Stiftung Versicherungs- und Mechanisierungsmodelle für den Kartoffelanbau in Afrika und Asien.

Vielen herzlichen Dank für diese hochinteressanten Einblicke in Ihr Kartoffelpflanzgut-Projekt in Kenia. Wir wünschen Ihnen alles Gute für den weiteren Erfolg. 

 

Weitere Informationen:

  • Das Projekt wird in Zusammenarbeit von GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), AECF (Africa Enterprise Challenge Fund), CIP (Centro Internacional De La Papa), N.P.C.K (National Potato Center of Kenja) durchgeführt. Die Umsetzung erfolgt durch die lokale Firma Kisima Farm Limited (Timau, Kenia).
  • Die Syngenta Stiftung für Nachhaltige Landwirtschaft arbeitet derzeit in etwa zehn Ländern; die Zentrale befindet sich in Basel (Schweiz). Ihre Kernfinanzierung erhält die Stiftung von Syngenta, die Organisationen sind aber juristisch getrennt.

Mehr Informationen (englisch) finden Sie auf www.syngentafoundation.org bzw. via Twitter @syngentafdn. Für weiterführende Fragen auf Deutsch steht Ihnen [email protected] gerne zur Verfügung. 

  • An dieser Stelle möchten wir auch auf den Good Growth Plan verweisen – unseren Plan für verantwortungsvolles Wachstum. Darin verpflichtet sich Syngenta unter anderem, Kleinbauern Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.
  • Nähere Informationen zum Good Growth Plan finden Sie unter www.syngenta.com/what-we-do/the-good-growth-plan (englisch) bzw. www.syngenta.de/unternehmen/good-growth-plan (deutsch). Dort erhalten sie auch Einblicke in Good Growth Plan – Projekte in Deutschland mit dem Ziel, Nutzpflanzen effizienter zu machen und Biodiversität zu fördern.