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Mandipropamid - ein Molekül setzt Maßstäbe in der Wirkung gegen Phytophthora infestans

Aktuelles Kartoffeln
01.06.2016
Kartoffel Phytophthora

Kartoffelexperten im Gespräch: Interview mit Dr. Lars-Wilhelm Bangemann, SaKa-Pflanzenzucht und Dr. Harry Jansing, Syngenta 

Der fungizide Wirkstoff Mandipropamid ist einer der Leistungsträger in Spritzfolgen gegen die Kraut- und Knollenfäule. Er ist in den Produkten Carial Flex, Revus Top und Revus enthalten. Erfahren Sie mehr über die Wirkungsweise von Mandipropamid, Bewertungen zur Antiresistenzstrategie und optimale Einsatzempfehlungen.

Die Interviewpartner:

Dr. Lars-Wilhelm Bangemann, Leiter der Zuchtstation der SaKa-Pflanzenzucht in Windeby/Schleswig-Holstein. Die Saka-Pflanzenzucht ist ein international tätiges, mittelständisches Unternehmen der Solana-Gruppe und für die Züchtung von Kartoffelsorten verantwortlich. Dr. Bangemann ist Leiter der Zuchtstation in Windeby, wo die Neu- und Erhaltungszüchtung von Kartoffelsorten durchgeführt wird.

Dr. Harry Jansing, Fachberater Ackerbau, Verkaufsgebiet Nord, Syngenta. Er ist seit vielen Jahren Fachberater in Niedersachsen, dem Bundesland mit der größten Kartoffelanbaufläche in Deutschland. Dr. Jansing begleitet Mandipropamid-haltige Produkte im Markt seit ihrer Einführung 2007.

Kartoffeln Mandipropamid - ein Molekül setzt Wirkungsmaßstäbe gegen Phytophthora infestans
Kraut- und Knollenfäule, Quelle: Syngenta

Herr Dr. Bangemann, im Rahmen Ihrer Tätigkeit sind Sie verantwortlich für die Gesunderhaltung der wertvollen Kartoffelbestände in den Zuchtgärten. Welche Bedeutung hat für Sie die Kraut- und Knollenfäule?

Unter den Pilzkrankheiten steht Phytophthora auch bei uns an oberster Stelle. Eine konsequente Bekämpfung ist notwendig, um jegliche Infektionen und damit Ertrags- sowie Qualitätsbeeinträchtigungen zu unterbinden. Wahrscheinlich müssen wir noch etwas mehr als die Praxis mit unseren Bekämpfungsstrategien auf „Nummer sicher“ gehen und einen lückenlosen Fungizid-Schutz gewährleisten.

Herr Dr. Jansing, Syngenta hat mehrere Krautfäule-Fungizide im Portfolio, die den Wirkstoff Mandipropamid enthalten. Können Sie die Eigenschaften von Mandipropamid in und auf der Pflanze beschreiben?

Nach der Spritzung lagert der Wirkstoff sehr schnell in der Wachsschicht der Blätter ein und ist damit stark an das Blatt gebunden. Dieser Schutz bleibt auch bei wachsenden Blättern erhalten – wir nennen das Zuwachsschutz. Dieser Zuwachsschutz ist vor allem in Phasen starken Krautwachstums relevant. Ausgehend vom Wirkstoffdepot in der Wachsschicht der Blattoberseite erfolgt eine translaminare Verlagerung des Wirkstoffs. Auf diese Weise werden auch die Blattunterseiten vor Infektionen geschützt.

Herr Dr. Bangemann, welche Wirkstoff- bzw. Produkteigenschaften sind aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Phytophthora-Kontrolle wichtig?

Wir haben eine Vielzahl an Parzellen zu schützen. Wirkungssicherheit ist für uns oberstes Gebot. Daher ist die beschriebene lange Wirkungsdauer aufgrund der optimalen Wirkstoffeinlagerung im Blatt für uns sehr vorteilhaft. Damit verbunden ist auch die gute Regenfestigkeit. Da wir in Schleswig-Holstein bekanntlich oft unbeständiges Wetter haben, passt uns das natürlich sehr gut ins Konzept. 

Herr Dr. Jansing, Ihr Unternehmen bietet mit Carial Flex, Revus Top und Revus drei Produkte an, die den Wirkstoff Mandipropamid enthalten. Wodurch unterscheiden sich diese Fungizide?

Das Produkt Revus enthält nur den Wirkstoff Mandipropamid. Es stellt eine preiswerte Lösung dar, wenn allein Phytophthora sicher bekämpft werden muss. 
Im Carial Flex wurde Mandipropamid mit dem teilsystemischen Wirkstoff Cymoxanil kombiniert. Dieser Wirkstoff verteilt sich sehr schnell in der Pflanze. Cymoxanil ist sozusagen der „Sprinter“, der die Sofortwirkung übernimmt. Mandipromamid ist der „Langläufer“, zuständig für die Dauerwirkung. Revus Top enthält neben Mandipropamid den Wirkstoff Difenoconazol gegen Alternaria. Dieses Fungizid ist das erste und bislang einzige Fertigprodukt, das sowohl gegen Phytophthora als auch Alternaria eine Bekämpfung auf höchstem Niveau garantiert.

Herr Dr. Bangemann, Resistenzen zu vermeiden,ist im Kartoffelbau ein zentrales Anliegen nachhaltiger Fungizid-Strategien. Wie bewerten Sie den mehrmaligen Einsatz von Mandipropamid in einer Spritzfolge?

Wir dürfen als Züchter keine Risiken eingehen. Daher informieren wir uns immer wieder über die aktuelle Resistenzsituation. Die Einhaltung der FRAC*-Richtlinien ist uns sehr wichtig. Derzeit sehen wir eine mehrmalige Anwendung von Mandipropamid in der Spritzfolge als grundsätzlich möglich an. In „Krautfäule-Jahren“ ist allerdings zu beachten, dass die Anzahl der maximal empfohlenen Anwendungen für den Wirkstoff nicht überschritten wird.

Herr Dr. Jansing, was unternimmt Ihr Unternehmen, um das Resistenzrisiko für diese Wirkstoffgruppe zu minimieren?

Wir untersuchen seit vielen Jahren Phytophthora-Proben aus der ganzen Welt auf Resistenzen gegenüber Mandipropamid. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bringen wir in die FRAC-Arbeitsgruppe ein. Dort werden die Empfehlungen zu Mandipropamid bzw. zur Wirkstoffgruppe der CAA-Fungizide jedes Jahr neu überprüft. Erfreulicherweise sind bislang weltweit keine Hinweise auf Resistenzen bei Phytophthora gegenüber Mandipropamid beobachtet worden.

Herr Dr. Bangemann, wie sehen die Eckpfeiler Ihrer Vorgehensweise gegen Phytophthora in der Saison 2016 aus?

Wir nutzen Expertensysteme wie das Phytophthora-Modell Weihenstephan sowie Wettervorhersagen und berücksichtigen standortspezifische Erfahrungen für unsere Entscheidung über durchzuführende Maßnahmen. Bei hohem Infektionsdruck oder unbeständigem Wetter arbeiten wir mit kürzeren Spritzabständen und setzen leistungsstarke Produkte wie Carial Flex und Revus - oder gegebenenfalls auch Tankmischungen - ein. Mit diesen Produkten haben wir gute Erfahrungen gemacht. Um Resistenzen vorzubeugen, achten wir auf einen Wechsel der Wirkstoffgruppen in der Spritzfolge und berücksichtigen die aktuellen FRAC-Empfehlungen. 

Herr Dr. Jansing, welche Empfehlungen geben Sie der Praxis zum Einsatz Mandipropamid-haltiger Produkte?

Aufgrund der zuvor beschriebenen Eigenschaften des Wirkstoffs, sehen wir Mandipropamid-haltige Produkte schwerpunktmäßig in der Hauptwachstumsphase mit starker Laubentwicklung der Kartoffeln. Das ist kurz vor Reihenschluss bis Ende der Blüte. Ich empfehle Carial Flex in die zweite Behandlung nach Ridomil Gold MZ. Hier steht die Vorbeugung gegen Stängelphytophthora im Fokus. Danach muss oft schon Alternaria mit bekämpft werden. Dafür eignen sich Revus Top und eine Kombination von Revus und Ortiva im Wechsel. Diese Vorgehensweise hat sich in vielen Versuchen und in den letzten Jahren auch in der Praxis als richtig erwiesen.

Wir danken für das Gespräch.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:
•    Hintergrundinformationen zum Wirkstoff Mandipropamid zum Download
•    syngenta.de/Kartoffeln
•    Anmeldung zum Phytophthora-Modell Weihenstephan unter meinSyngenta

* FRAC = Fungicide Resistance Action Commitee erarbeitet Empfehlungen für ein Anti-Resistenz-Management bei der Anwendung von Fungizide, www.frac.info