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Kraut- und Knollenfäule im Griff behalten!

Aktuelles Kartoffeln
11.06.2015

Rechtzeitiger Spritzstart, optimaler Spritzabstand und die passende Fungizidstrategie

Wenn die Kraut- und Knollenfäule im Kartoffelanbau nicht rasch und rechtzeitig bekämpft wird, drohen Ertragseinbußen bis zu 50 %. Neben dem Witterungsverlauf beinflusst auch die zunehmende Aggressivität des Pilzes das Verlaufsgeschehen. So wurden in den letzten Jahren deutlich aggressivere Phytophtorastämme beobachtet, die geringere Temperaturansprüche und damit einen schnelleren Entwicklungszyklus haben. Der Bekämpfungserfolg hängt unter anderem auch von der Regenfestigkeit der eingesetzten Fungizide ab, bei starken Niederschläge könnnen die Fungizide abgewaschen werden. Bei Starkregen ist zudem danach die Befahrbarkeit für Folgebehandlungen nicht mehr gegeben. Hohe Niederschläge führen außerdem zu starkem Sporeneintrag in den Boden, was den Braunfäulebefall verstärkt.

Latent infizierte Knollen Ursache von Primärinfektionen

Phytophtora-Befall zeigt sich in braunen abgestorbenen Stängeln und als weißlich-graues Pilzgeflecht an den Blattunterseiten. Der Phytophtora-Pilz überwintert im Myzel im Kartoffellager in infizierten Knollen, latent infizierte Pflanzknollen sind eine der Ursachen für die Primärinfektion. Bei dementsprechender Witterung wächst der Pilz im Stängel nach oben, sporuliert und kann über das Bodenwasser weitere Kartoffeln infizieren. Deswegen sollten systemische Wirkstoffe nicht in bereits sporulierenden Beständen eingesetzt werden. Durch den Primärbefall entstehen Sporen für sekundäre Blattinfektionen, die durch Regentropfen und Wind übertragen werden.

Den optimalen Spritzstart und die geeigeten Spritzabstände finden

Empfehlenswert ist eine Startbehandlung vor dem Reihenschluss, um die Stängelbasis genügend zu erreichen. Danach muss die grüne Pflanze dauerhaft geschützt werden. Bei der Wahl des Spritzabstandes und der Auswahl der Wirkstoffe ist Fingerspitzengefühl gefordert: zu frühe Spritztermine verursachen zusätzliche Kosten, zu späte Behandlungen rächen sich mit Ertrags- und Qualitätsverlusten. Prognosemodelle können helfen, ersetzen aber nicht das geschulte Auge und die genaue Beobachtung der Schläge vor Ort. Beim Einsatz unterschiedlicher Wirkstoffe ist auf die Wirkungsdauer und Regenfestigkeit der Fungizide zu achten, bei Mischinfektionen mit anderen Pilzkrankheiten muss die Fungizidstrategie ebenfalls angepasst werden. Ob besser systemische Mittel, Kontaktwirkstoffe oder kurativ wirkdende Fungizide eingesetzt werden, hängt von der zu erwartenden Witterung und damit dem Infektionsdruck, dem derzeitigen Wachstums-Zustand und dem weiteren Krautwachstum ab. Zum Resistenzmanagement ist auf einen Wirkstoffwechsel zwischen den einzelnen Behandlungen und zwischen den Wirkstoffgruppen zu achten.

Eine weite Fruchtfolge, die Bekämpfung von Durchwuchskartoffeln, die Wahl weniger empfindlicher Sorten sowie eine angepasste Stickstoffdüngung runden die Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule als pflanzenbauliche Maßnahmen ab.

Angelika Sontheimer

Weitere Informationen:

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