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Kartoffeln 2014: Eine knappe Ware wird nicht alle

Aktuelles Kartoffeln
26.05.2014

Burgdorfer Frühkartoffeln – Interview mit Carsten Fricke aus Schwüblingsen

Kartoffelanbauer
Carsten Fricke aus Schwüblingsen
Foto: Anne Friesenborg

Carsten Fricke führt mit seiner Frau Claudia einen Ackerbaubetrieb im Altkreis Burgdorf in der Region Hannover. Er baut auf seinen Flächen mit 25 bis 50 Bodenpunkten und sandigen bis anlehmigen Böden rund 25 ha Frühkartoffeln an. Welche Erfahrungen hat er in der bisherigen Saison gemacht?

Wie verlief der Anbau bisher?
Carsten Fricke: Wir hatten kaum Frostschäden, nur einen leichten Frost zwei Tage Ende März und am 14. April. Ansonsten haben wir keine Frostberegnung durchgeführt. Dies ist sehr ungewöhnlich. In den vergangenen 30 Jahren gab es immer, nach einem Winter ohne Frost und Schnee, im März-April eine Kältephase mit durchweg einer Woche Nachtfrost. Die geringen Winterniederschläge führten dazu, dass wir die Bestellung bereits Ende Februar zügig vornehmen konnten. Das gab es in unserer Region bisher nur 1990. Fest eingeplant ist immer eine Frühjahrsberegnung. Jetzt haben wir einen typischen Mai, zwar nicht mit großflächigem Landregen aber mit kleinen Schauern. Das ist auch gut für die Entwicklung der Getreidebestände. Es gibt ja die alte Bauernregel "Ist der Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass".

Gibt es Besonderheiten im Pflanzenschutz?
Carsten Fricke: Der Herbizideinsatz war in diesem Jahr normal. Beim Frühkartoffelanbau unter Folie und Vlies kann es hingegen schwierig sein, eine gute Herbizid-Wirkung zu erzielen. Insbesondere, wenn die Dämme nicht genügend Bodenfeuchtigkeit gespeichert haben und sich das Wasser zwischen den Reihen sammelt. Die Dämme waren in diesem Frühjahr sehr trocken. Zudem müssen wir immer ab Mitte April den richtigen Zeitpunkt finden, die Folie zu entfernen. Dieser ist davon abhängig, ob die Dämme noch Feuchtigkeit benötigen oder ob wir sie vor Nachtfrostgefahr schützen müssen. Hier und da taucht Krautfäule auf, obwohl wir kein Phytophthora-Wetter haben. Sie wächst aus den Stängeln von im letzten Jahr infizierten Knollen heraus.

Wie schätzen Sie den Markt ein?
Carsten Fricke: Die Bestände sehen gut aus. Auch die Qualität ist gut. Was die Menge betrifft: Es gibt noch genügend alte Kartoffeln, die jetzt in Konkurrenz mit den Frühkartoffeln aus Marokko, Italien, Zypern angeboten werden. Im Frühjahr 2013 war der Markt aufgeräumt und geordnet. Das Angebot fädelte sich wie im Reißverschlussverfahren auf den Markt. 2014 haben wir einen höheren Anteil gute überjährige Ware, die zurückgehalten wurde und jetzt auf den Markt drängt. Es bewahrheitet sich der Spruch: Eine knappe Ware wird nicht alle.

Der Betrieb Fricke
baut die Sorten Musical und Princess als festkochende Kartoffeln, Gala und Solist als vorwiegend festkochende und Gunda als mehlig kochende Kartoffel an, als Wochenmarktkartoffeln Alexandra, Annabelle oder Sissi. Der Frühkartoffelanbau bringt im Vergleich zu Getreide eine hohe Wirtschaftlichkeit, bei einem hohen Preisrisiko für Anbauer. Fricke kalkuliert mit 5.000 bis 6000 € variablen Kosten pro Hektar.

Angelika Sontheimer

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