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Gesunde Kartoffeln: Furchenapplikation mit Ortiva

Aktuelles Kartoffeln
20.03.2017

Die Qualität der Knollen ist in den meisten Verwertungsrichtungen im Kartoffelbau von höchster Bedeutung für die Vermarktung. Pilzkrankheiten wie Rhizoctonia, Colletotrichum und Silberschorf sind dabei eine große Herausforderung. Mit der Anwendung von Ortiva im Furchenapplikationsverfahren können hohe Wirkungsgrade gegen diese Erreger erzielt werden.

Die Kartoffelexperten Ulf Hofferbert (links, Beratungsleiter Deutschland und Vertriebsleiter Ost, EUROPLANT Pflanzenzucht GmbH, Lüneburg) und Henning Meinecke (rechts, Syngenta Agro GmbH, Regionaler Marketingleiter Verkaufsgebiet Nord, Isernhagen) schildern ihre Erfahrungen und Empfehlungen. 

Herr Hofferbert, unter welchen Aspekten ist „Knollengesundheit“ für Sie als Züchterhaus wichtig?

Als Züchterhaus arbeiten wir mit allen Kräften an Resistenzen gegenüber Pilz- und Bakterienkrankheiten. Wir sehen auch, dass dieser Weg recht steinig ist. Die Sortenzulassungen der letzten Jahre zeigen aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gesetzliche Vorgaben der Pflanzkartoffelverordnung und das hohe Niveau der Qualitätsanforderungen unserer Pflanzgutkunden sind dabei Rechnung zu tragen. Pflanzkartoffeln sind das wichtigste und teuerste Produktionsmittel im Kartoffelanbau. Forderungen nach höchster Qualität sind daher Programm.

Zudem internationalisiert sich der EUROPLANT Pflanzkartoffelmarkt zunehmend. Mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich, werden Pflanzkartoffeln mehr und mehr mit Containern und Schiffen über Wochen verschickt. Bedingungen, die nicht immer optimal für unsere Pflanzkartoffeln sind und höchste Pflanzkartoffelqualitäten erfordern.

Welche Parameter der Knollengesundheit spielen für Sie die wichtigste Rolle?

Es gibt „nicht nur einen wichtigen Parameter“. Grundsätzlich sind alle inneren und äußeren Parameter zu optimieren. Wir sehen aber, dass unsere Pflanzgutkunden gerne nach Optik urteilen und kaufen. Das heißt, eine pralle Pflanzknolle mit glatter Schale und wenig Rhizoctonia, Silberschorf und Colletotrichum überzeugt.

Herr Meinecke, Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Thema „Pilzkrankheiten auf der Knolle“. Welchen Lösungsbeitrag kann die Furchenanwendung von Ortiva für die Pflanzgutqualität beitragen?

Die Ortiva Furchenbehandlung wirkt sehr gut gegen Colletotrichum coccodes und Rhizoctonia solani, zwei wirtschaftlich sehr bedeutende Krankheiten in der Kartoffelproduktion. Darüber hinaus, ist eine beachtenswerte Nebenwirkung gegen Silberschorf festzustellen. Pflanzguterzeuger haben damit die Möglichkeit, in ihrer Produktion deutlich sicherer qualitativ hochwertiges Pflanzgut zu erzeugen.

 

Mit der Ortiva Furchenbehandlung haben Pflanzguterzeuger die Möglichkeit, in ihrer Produktion deutlich sicherer qualitativ hochwertiges Pflanzgut zu erzeugen.

(Henning Meinecke, Syngenta)

 

 

Wird die Ortiva Furchenbehandlung in der Praxis angenommen?

Besonders in Niedersachsen wird die Furchenbehandlung mittlerweile breit in der Praxis eingesetzt. Nach unseren Schätzungen ist dort bereits auf der Hälfte der Pflanz- und Speisekartoffelfläche die Umstellung von der normalen Flüssigbeize auf die Ortiva Furchenbehandlung erfolgt. Wir sehen stetige Zunahme, nunmehr auch in anderen Bundesländern, z.B. in Nordrhein-Westfalen.

Zudem müssen seit Mitte 2016 alle Pflanzenschutzgeräte auf den Kartoffel-Legegeräten zur Gerätekontrolle – dem sogenannten „Spritzen TÜV“ – so auch die Flüssigbeizgeräte. Ich rechne daher zur Saison 2017 damit, dass viele weitere Betriebe dieses zum Anlass nehmen, jetzt auf die Furchenbehandlung umzusteigen.

Herr Hofferbert, welche Erfahrungen haben Sie mit der Ortiva Furchenbehandlung gemacht?

Alle Versuche gemeinsam betrachtet zeigen eine deutliche Verbesserung der äußeren Knollenqualität und ermutigten uns hier weiter zu arbeiten. Zuvor mussten wir jedoch erst einmal verstehen, welche Ursachen die diversen Auflaufprobleme in der „Ortiva – Startphase“ hatten.

Was sind Ihre Beobachtungen zum Thema „Sortenempfindlichkeiten“ bei der Ortiva Furchenbehandlung?

In der Tat konnten wir in zahlreichen Versuchen und in der Praxis Sortenunterschiede im Auflaufverhalten sehen. In einigen Fällen kam es zu Auflaufverzögerungen von wenigen Tagen bis hin zu Pflanzenausfällen. Wir konnten vor allem falsch eingestellte Düsentechnik, zu hohe Aufwandmengen und fehlerhafte Pflanzgutkonditionierung als Ursache identifizieren. Sind alle Bedingungen optimal eingestellt, dann zeigt sich aber auch der Erfolg mit einer Ortiva Furchenbehandlung.

Inzwischen können empfindliche Sorten durch reduzierte Aufwandmengen auf 1,5 - 2,0 l/ha recht sicher behandelt werden. Dazu haben wir unsere Empfehlungen für diese Sorten mit dem Hinweis „kann empfindlich auf bestimmte Beizen regieren“ ergänzt. Es zeigt sich, dass besonders keimruhigen Sorten mit flachen Augenanlagen wie Allians, Belana oder Regina mit Auflaufverzögerung reagieren können, wenn die kleinen Keimanlagen auf der Pflanzmaschine unweigerlich abbrechen. Dafür haben wir unsere Empfehlungen zur Keimstimulierung angepasst. Ein Wärmestoß 3-4 Tage vor dem Pflanzen reicht aus. Bei modernen Sorten wollen wir keinen Keim zum Pflanzen sehen.

Herr Meinecke, Sie haben sich mit der Optimierung der Ortiva Furchenbehandlung befasst. Worauf muss die Praxis achten?

Für den erfolgreichen Einsatz der Ortiva Furchenbehandlung sind folgende Faktoren sehr wichtig:

  1. Gesundes und optimal konditioniertes Pflanzgut ist immer die Basis! Starke Auflaufverzöger-ungen der Bestände haben wir dann, wenn mehrere belastende Faktoren zusammentreffen – was wir allerding sehr selten erlebt haben. Die Ortiva-Furchenbehandlung hätten wir sonst nicht so erfolgreich in die Praxis einführen können.
  2. Ebenso ist die genaue Ansprache des Standortes ein wichtiger Faktor. Der Tonanteil des Bodens beeinflusst in hohem Maße die „richtige“ Aufwandmenge.
  3. Für eine gelungene verträgliche Furchenbehandlung ist die richtige Applikationstechnik natürlich wesentlich. In Zusammenarbeit mit der Versuchsstation Dethlingen wurden in den vergangenen Jahren umfangreiche Untersuchungen zur weiteren Optimierung durchgeführt.

(Anmerkung der Redaktion: Ausführlichere Infos zu praktischen Tipps und aktuellen Untersuchungen an der Versuchsstation in Dethlingen finden Sie in den Hintergrundinformationen) 

Herr Meinecke, ziehen Sie ein Fazit: Was sind die wesentlichen Vorteile der Ortiva Furchenapplikation im Anbau?

Mit der Furchenbehandlung können wir für den professionellen Kartoffelanbau eine sehr effektive Pflanzenschutzmethode anbieten. Neben knollenbürtigen Erregern kann der Anbauer auch wichtige bodenbürtige Kartoffelkrankheiten sicher und lang anhaltend in den Griff bekommen. Vor allem in der Pflanzkartoffelproduktion und bei der Erzeugung hochwertiger Speise- und Industrieware kann mit der Ortiva Furchenbehandlung der Anteil vermarktungsfähiger Ware deutlich verbessert und Verluste während der Lagerung verringert werden.

Herr Hofferbert, was sind die wesentlichen Eckpunkte der Empfehlungen 2017 für Ihre Vermehrer?

Die Qualifikation unserer Pflanzkartoffelpartner ist in den letzten 25 Jahren deutlich gestiegen – EUROPLANT hat in diesem Jahr Geburtstag! Bei wachsenden Anforderungen konnten wir mit unseren Pflanzkartoffeln eine gestiegene Nachfrage bedienen. Alleine dies ist Ausdruck einer Qualitätsoffen-sive! Der Erfolg kommt aber nicht von alleine, neben leistungsstarken Sorten sind es vor allem leistungsstarke Vermehrungsbetriebe, die uns hier unterstützen.

Wir erwarten für das Jahr 2017 so manche Herausforderungen. So werden wir durch die wieder ansteigenden Blattlauszahlen der letzten beiden Jahre höchste Priorität auf die Auswahl der Basispartien legen müssen. Die Vermehrungsbetriebe werden sich auf eine höhere Virusbelastung einstellen und die „3 R – Methode“ (Rechtzeitig, Radikal und Richtig) in der Feldselektion einsetzen müssen. Hoffen wir einmal auf einen späteren Blattlausflug, damit sich die Situation wieder entspannt. Unabdingbar ist aber eine optimierte Insektizid-Strategie -  die muss in diesem Jahr sitzen!

Und auch das Thema äußere Knollenqualität muss weiter optimiert werden - Ortiva-Einsatz mit allen geschilderten Besonderheiten gehört dazu!

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen beste Qualitäten in der anstehenden Saison 2017.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

  • Informationen zur sicheren Applikationstechnik für Ortiva-Furchenbehandlung (Kartoffelbau 4/2017) zum Download
  • Hintergrundinformationen zur Wirkung und kulturverträglichen Anwendung von Ortiva als Furchenbehandlung in Kartoffeln zum Download
  • syngenta.de/Kartoffeln
  • Anmeldung zum Phytophthora-Modell Weihenstephan unter meinSyngenta