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Expertenrunde: Einige der Väter des Phytophthora Modells Weihenstephan im intensiven Austausch

Aktuelles Kartoffeln
25.04.2018
„Servicelandwirte“ des Phytophthora Modell Weihenstephan sowie Dr. Hans Hausladen und Nicole Metz beim Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis (am Lehrstuhl für Phytopathologie der TU München/Weihenstephan)
„Servicelandwirte“ des Phytophthora Modell Weihenstephan sowie Dr. Hans Hausladen und Nicole Metz beim Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis (am Lehrstuhl für Phytopathologie der TU München/Weihenstephan)

Am 20. Februar 2018 besuchte Syngenta zusammen mit „Servicelandwirten“ aus dem süddeutschen Raum das Institut von Dr. Hausladen an der Technischen Universität München/Weihenstephan in Dürnast. Die Servicelandwirte liefern in der Saison wöchentlich Boniturdaten von ihren Kartoffelflächen für das Phytophthora Modell, das von Dr. Hausladen geleitet wird. Ziel des Besuchs war es, Erfahrungen im Umgang mit dem Prognosemodell auszutauschen und Anregungen für weitere Verbesserungen zu sammeln.

Herr Dr. Hausladen, Sie haben heute 10 süddeutsche Landwirte an Ihrem Institut zu Gast, die während der Anbausaison Boniturdaten für das Phytophthora Modell Weihenstephan liefern. Wie groß ist diese Gruppe insgesamt und wie arbeiten Sie mit Ihnen zusammen?

Dr. Hans Hausladen: Insgesamt haben wir in Deutschland 110 Teilnehmer, wovon 100 Landwirte regelmäßig Boniturdaten schicken. Diese Daten sind für das Funktionieren des Modells selbstverständlich sehr wertvoll. Dabei kann man 100 Boniturorte als hinreichend ansehen. Es wäre jedoch wünschenswert, in einigen Kartoffelgebieten weitere Servicelandwirte zu gewinnen, um eine noch höhere Datendichte zu erhalten, was den Wert der Daten nochmals erhöhen würde. Die Zusammenarbeit erfolgt schnell und direkt. Daten werden wöchentlich geliefert, außerdem führen wir über das Telefon ergänzenden Informationsaustausch durch, dazu gehören auch aktuelle Beratungsgespräche z.B. zum Wirkstoffmanagement in Bezug auf die aktuelle Situation. 

Herr Westermeier, Sie sind schon seit der Entstehung des Prognosemodells dabei. Was hatte Sie bewogen, damals einzusteigen und nunmehr so lange dabei zu bleiben?

Ich bewirtschafte einen Betrieb mit Kartoffelanbau hauptsächlich für die Stärkeproduktion im Osten Münchens. Ein wichtiges Motiv für mich hier einzusteigen war damals der Gedanke, dem Sicherheitsprinzip der planmäßigen Routinespritzungen entgegenzuwirken und durch eine gezielte, bedarfsgerechte Spritzung zu ersetzen. Für die intensive Beschäftigung mit der Kultur, den Krankheiten und den Bekämpfungsmöglichkeiten war die Teilnahme am Phytophthora Modell für mich eine ideale Maßnahme. Regelmäßig in den Bestand zu gehen, genau zu beobachten und Entscheidungen zu treffen war für mich ein direkter Vorteil aus der Teilnahme an dem Modell. Pro Vegetationsperiode auch die ein oder andere Spritzung einzusparen, gehört auch zu den Zielen dieses Prognosemodells.

Wenn man sich zum Beispiel mit dem Spritzabstand intensiv beschäftigt, ist es auch folgerichtig, dass je nach spezieller Situation auf dem Einzelbetrieb - z.B. Beregnung ja oder nein - die Spritzabstände variabel angepasst werden müssen.      

Herr Lehner, welche Vorteile sehen Sie für sich und Ihren Kartoffelanbau in Ihrer Teilnahme am Phytophthora Modell Weihenstephan als Boniteur?

Ich bewirtschafte einen Betrieb in Sünching/ Niederbayern und bin auch schon seit dem Start des Modells aktiver Teilnehmer. Einen wichtigen Vorteil für mich selbst und für meine Kartoffelproduktion sehe ich darin, dass durch die Motivation zu einer genauen und regelmäßigen Beobachtung und durch den Datenaustausch die eine oder andere Entscheidung auch mal korrigiert und verbessert wurde. Davon profitieren auch Berufskollegen, die mit mir Informationen austauschen bzw. die Prognosen, die aus meinen Daten gewonnen werden, für ihren Betrieb nutzen können.

Wenn ich den Aufwand bei der aktiven Teilnahme am Modell mit dem Nutzen, den ich selbst daraus ziehen kann, abwäge, komme ich zu einem klaren Ergebnis. Den Aufwand für die Bedienung des Prognosemodells wie: Bestände regelmäßig kontrollieren, Aufzeichnungen machen und auswerten mache ich ohnehin, wenn ich den Kartoffelanbau gewissenhaft betreiben will. Also muss dem Nutzen, den ich vorhin beschrieben habe, eigentlich kein Zusatzaufwand gegengerechnet werden.

Expertenrunde Phytophthora Modell Weihenstephan

Herr Schrödl, für Sie hat die Teilnahme am Phytophthora Modell noch einen weiteren Aspekt?

Ja, ich bewirtschafte einen Betrieb in Vohburg/Oberbayern und für mich ist die sogenannte Nullparzelle ein wesentliches Element. Die zeigt nicht nur mir, sondern auch Berufskollegen und anderen Interessenten immer wieder sehr anschaulich, was mit einem unbehandelten Bestand passiert. Das sind auch Informationen zur Bewertung der Arbeit, die man sich gemacht hat, um den Bestand gesund zu halten.

Herr Mollen, wissen Sie, wie Kartoffelanbauer das Phytophthora Modell Weihenstephan nutzen?

Wir haben letztes Jahr eine Umfrage unter den Abonnenten des Systems gemacht. Dabei kam heraus, dass schwerpunktmäßig regionale Empfehlungen, die Angaben über den aktuellen Epidemiedruck und eben die Prognose genutzt wurden. Auch Bonituren in der eigenen Region wurden sehr geschätzt und genutzt. Das bedeutet für uns auch, dass es wichtig ist, ein möglichst dichtes Netz an Boniteuren zu haben. Wir freuen uns über jeden Landwirt, der Interesse hat einzusteigen.

Herr Geser, wenn Sie sich in die Lage des Nutzers des Phytophthora Modells versetzen, welche Wünsche hätten Sie, was man noch verbessern könnte?

Ich bewirtschafte einen Betrieb im Raum Regensburg. Ein Merkmal meines Betriebes ist, dass ich häufig mit Vorsommertrockenheit zu tun habe und daher recht intensiv bewässern muss. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass bei mir mehr Behandlungen nötig sind. In den Auswertungen und Empfehlungen sollte daher darauf hingewiesen werden, dass am Boniturstandort zum Beispiel schon einige Male bewässert wurde. Wichtig ist es auch, dass bei den wöchentlichen Informationsschreiben in anschaulicher Weise dargestellt wird, wie der derzeitige Epidemiedruck bewertet wird und wie die Prognose für die nächsten Tage aussieht.

Herr Dr. Hausladen, wie halten Sie das Phytophthora Modell Weihenstephan weiter attraktiv für die Landwirte und entwickeln es weiter?

Ein ganz wichtiger Eckpunkt des Prognosemodells ist ja die exakte Bestimmung des Spritzstarts. Es wäre sehr hilfreich, wenn in den Daten, die für die Bestimmung des Spritzstarts genutzt werden, auch Angaben zur aktuellen Bodenfeuchte mit einfließen würden. Messbar wäre das ja über Bodenfeuchte-Sensoren, die man an den Boniturstandorten einsetzen könnte. Woran wir noch arbeiten müssen, ist der wissenschaftliche Ansatz, wie diese Daten in die Berechnungen zum Spritzstart einfließen müssten. Zur Bodenfeuchte gehört dann auch die Bodentemperatur. Wir haben allerdings das Problem, dass wir die Gesamtsituation auf dem Feld nicht komplett im Gewächshaus nachstellen können, sind jedoch sicher, in ein bis zwei Jahren eine praktikable Methode gefunden zu haben.

Expertenrunde Phytophthora Modell Weihenstephan

Herr Mollen, Syngenta hat das Phytophthora Modell 2017 um weitere Funktionen ergänzt. Könnten Sie diese nochmal kurz beschreiben?

Für den Nutzer des Modells haben wir einige sinnvolle Neuerungen eingeführt, die besonders bei der Online-Nutzung anschaulich noch mehr Hintergrundinformationen bieten. Ein neues interaktives Element ist der Spritzabstandsrechner, bei dem nach Eingabe eigener Betriebsdaten ein Spritzabstand empfohlen wird. Der Nutzer hat auch die Möglichkeit, weitere Schläge an anderen Standorten anzulegen, um dadurch Informationen anderer Bonitur- oder Wetterstationen nutzen zu können. Schließlich zeigt eine ständig aktualisierte Deutschlandkarte die derzeitigen Befallsdruck-Werte für Phytophthora und Alternaria aller Boniturstandorte an. Durch eine Archivfunktion kann man die Historie jederzeit einsehen und für seine individuellen Analysen nutzen.

Herr Dr. Hausladen, was erwartet Ihre „Mitarbeiter“ heute an Informationen und Neuigkeiten bei ihrem Besuch im Gewächshauslaborzentrum Dürnast?

Wir werden die Forschungs- und Versuchsansätze, die wir in den letzten Stunden schon anhand von Grafiken etc. angesehen haben, auch in den Gewächshäusern – so zusagen am lebenden Objekt – anschauen. Am praktischen Beispiel kann man oft am besten erkennen, welche Arbeiten im Hintergrund notwendig sind, um am Ende zu gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu kommen, die wirklich fundiert genug sind, um einer permanenten Überprüfung in der Praxis standzuhalten. Das Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis ist ja gerade auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für unser gemeinsames Phytophthora Modell. Wir haben heute schon gesehen und werden es nachher noch weiter vertiefen, dass wir uns derzeit intensiv mit dem Komplex Alternaria beschäftigen, bei dem aktuell einige bestehende Meinungen durch neuere fundierte Erkenntnisse abgelöst werden müssen.

Wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch und wünschen Ihnen allen viel Erfolg in der Saison 2018 – in Praxis und Wissenschaft.

 

Haben Sie Interesse, als Servicelandwirt Teil des Phytophthora Modells Weihenstephan zu werden? Bitte kontaktieren Sie Ihren Ansprechpartner von Syngenta oder schreiben Sie uns eine kurze Email an [email protected].