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Ein starkes Trio: Revus, Revus Top und Carial Flex: Der Wirkstoff Mandipropamid wird 10 Jahre

Aktuelles Kartoffeln
22.05.2018

Mandipropamid, bis heute einer der leistungsfähigsten Fungizidwirkstoffe zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule in Kartoffeln, feiert sein 10-jähriges Jubiläum. Dieser Wirkstoff wurde 2008 mit dem Fungizid Revus auf dem deutschen Markt eingeführt. Bis heute setzt Mandipropamid Maßstäbe bei der Bekämpfung der Phytophthora in Kartoffeln.

In der aktuellen Ausgabe der „Kartoffelexperten im Gespräch“ lassen wir Menschen bei Syngenta zu Wort kommen, die Mandipropamid auf seinem Weg aus dem Labor ins Feld begleitet haben. 

 

Wir konnten es bereits in den ersten Versuchen sehen.

 

Frank Meier-RungeDr. Frank Meier-Runge, Leiter Entwicklung Fungizide Spezialkulturen Europa, Syngenta

KartoffelfeldViele unserer Produkte durchlaufen ihren ersten Test im Freiland vor der „friedlichen“ Kulisse der Schweizer Bergwelt auf unserer Versuchsstation in Les Barges im Kanton Wallis. Doch der Schein trügt: Unsere Versuchstechniker können dort massive Infektionsbedingungen schaffen, unter anderem für Phytophthora. Bereits in den ersten Versuchen im Jahr 2001 wurde sichtbar, dass Mandipropamid den damaligen Vergleichsstandards weit überlegen war. Wir hatten noch nie ein Molekül in Händen, das mit derart geringen Wirkstoffmengen solch hohe Wirkungsgrade und eine bis dahin unerreichte Dauerwirkung zeigte. Wir beregnen in Les Barges in engen Abständen, um die Krautfäule zu „pushen“. Dabei wurde die enorme Regenfestigkeit von Mandipropamid sichtbar. Die Wirkungskonstanz über die Jahre war beeindruckend. Wir Entwickler waren sehr sicher, dass Produkte mit diesem Wirkstoff ihren Weg in die Praxis machen werden.

 

Mandipropamid hat seinen Weg in die Welt gemacht.

 

Odanil LeiteOdanil Leite, Globaler Produktmanager Mandipropamid, Syngenta

KakaopflanzeMandipropamid ist ein Spezialist gegen Falsche Mehltau-Pilze. Die bekanntesten Vertreter sind Phytophthora- und Peronospora-Arten. Diese Erreger finden wir weltweit an einer Vielzahl von Kulturen, zumeist an Spezialkulturen, die hohe Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. Damit einher gehen auch die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Fungizide, die gegen diese Pilzkrankheiten eingesetzt werden.
Die erste Zulassung für Mandipropamid erhielt Syngenta im Jahr 2006 in Kartoffeln in Österreich und Südkorea. Weltweit sind derzeit zehn Produkte zugelassen, die Mandipropamid enthalten. Der Wirkstoff wird in mehr als 100 Kulturen eingesetzt, darunter – weltweit betrachtet - in großen Kulturen wie Wein, Tomaten, Kartoffeln, aber auch in „Exoten“ wie Kakao oder Ananas. Die Anwendung Mandipropamid-haltiger Produkte nimmt weiterhin zu. Für Syngenta ist dieser Wirkstoff von großer Bedeutung. Wir entwickeln laufend neue Mischungen und Formulierungen, um Anwendung und Wirksamkeit in den verschiedensten Kulturen zu optimieren. Einen hohen Stellenwert nimmt auch die fachliche und wissenschaftliche Begleitung des Wirkstoffs, so beispielsweise das Resistenzmonitoring ein.

 

 

 

 

Ich durfte den Startschuss für Mandipropamid geben.

 

 

 

Kartoffelexperte Karsten BuhrDr. Karsten Buhr, Technischer Experte Kartoffeln Deutschland / Österreich / Schweiz, Syngenta

Ich hatte in 2008 die große Freude, die Markteinführung von Revus, unserem ersten Produkt mit Mandipropamid, in Deutschland zu gestalten. Den Anfang machte dieser Wirkstoff in Kartoffeln, Hopfen und verschiedenen Gemüse-Arten. Es folgte der Weinbau, für den in den folgenden Jahren Mischungen mit Folpet (in Pergado) und Zoxamide (in Ampexio) entwickelt wurden. Letzteres steuert aktuell auf ein erfolgreiches erstes Praxisjahr zu.

In Kartoffeln kamen 2013 mit Revus Top und 2014 mit Carial Flex Wirkstoffkombinationen auf Basis von Mandipropamid zur Zulassung. Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung von Alternaria und dem Auftreten von Resistenzen gegenüber Strobilurin und SDHI Fungiziden traf die Kombination von Mandipropamid mit Difenoconazol den „Zeitgeist“ beziehungsweise die Bedürfnisse der Praxis. Revus Top hat in allen Kartoffelanbaugebieten einen festen Platz in den Spritzfolgen gegen Phytophthora und Alternaria gefunden. Bei Carial Flex wollten wir durch die Mischung mit Cymoxanil Wirksamkeit und Einsatzflexibilität weiter erhöhen. Das scheint gelungen zu sein: Die Experten der EuroBlight-Gruppe haben Carial Flex auf die Nummer 1 ihres Fungizid-Rankings gesetzt. Wie eingangs bereits erwähnt, haben die genannten Mandipropamid-haltigen Fungizide einen breiten Eingang in die Praxis gefunden. In Kürze erwarten wir ein weiteres Kombinationsfungizid auf Basis dieses Wirkstoffs. Auf diese Weise soll die Praxis noch breitere Anwendungsmöglichkeiten bekommen.

 

Ich bin überzeugt, dass sich die Phytophthora an Mandipropamid weiterhin „die Zähne ausbeißen“ wird.

 

Kartoffelexperte Stefano TorrianiStefano Torriani, Teamleiter Resistenzprojekte Krankheitskontrolle, Forschungszentrum Stein/Schweiz, Syngenta

Wirksame Anti-Resistenzstrategien sind essentiell, um Wirkstoffe nachhaltig in der Praxis nutzen zu können. Der Kartoffelwelt sitzen die Erfahrungen mit Phenylamiden, auch nach fast 40 Jahren, noch immer in den Knochen. Aber gerade an diesem Beispiel sehen wir, dass - wissenschaftlich basierte und in der Praxis konsequent umgesetzte - Anti-Resistenz-Strategien, erfolgreich sein können. Ridomil Gold MZ ist weiterhin der Standard zum Spritzstart in Deutschland.         

SteinBei Mandipropamid untersuchen wir seit etwa 15 Jahren Phytophthora-Proben aus der ganzen Welt. Erfreulicherweise fanden wir bislang keinerlei Hinweise auf Resistenzentwicklungen. Die Erklärung dafür erbrachten die Forschungsarbeiten von Prof. Gisi, einer meiner Vorgänger im Resistenzlabor von Syngenta. Seitdem sind wir überzeugt, dass es weniger wahrscheinlich als bei anderen Pathogenen ist, dass Phytophthora infestans Resistenz gegenüber Mandipropamid in der Praxis entwickeln wird. Vorausgesetzt, unsere Empfehlungen werden in der Praxis eingehalten. Langjährige Erfahrungen mit CAA-Fungiziden zeigen, dass das Resistenzrisiko bei der Kraut- und Knollenfäule gegenüber dieser Fungizidgruppe nur gering bis mäßig ist. Aus meiner Sicht gibt es nach aktuellem Stand der Wissenschaft keine Bedenken, bei der derzeitigen Intensität der Krautfäule-Spritzfolgen in Deutschland Revus, Revus Top oder Carial Flex in der Summe zwei- bis dreimal in einer Spritzfolge einzusetzen.

 

10 Jahre Praxiseinsatz unter den intensiven holländischen Bedingungen – wir kennen Mandipropamid!

 

Kartoffelexperte Marcel DhondtMarcel Dhondt, Marketing Manager Kartoffeln in den Niederlanden, Syngenta

KartoffelfeldIn den Niederlanden ist Revus eines der am häufigsten eingesetzten Fungizide in Kartoffeln – schwerpunktmäßig im früheren Bereich bis in die Blüte. Wir haben vergleichsweise hohe Anwendungsintensitäten gegen Phytophthora. Spritzabstände liegen zumeist nur bei einer Woche und wir arbeiten mit Blockanwendungen. Landwirte setzen Revus im Durchschnitt 4 – 5 mal hintereinander ein. Diese Strategie funktioniert seit nunmehr 10 Jahren. Die Wirkung im Feld und die Daten des Resistenzmonitorings sind unverändert seit der Einführung von Mandipropamid. Die Empfehlungen unserer Wissenschaftler und von FRAC* bestätigen sich in der Praxis. Wir haben unsere holländischen Kartoffelanbauer befragt, warum sie Revus einsetzen. Technisch wird Mandipropamid als der beste Wirkstoff gegen Krautfäule eingeschätzt. Die Wissenschaftler der EuroBlight-Gruppe unter Leitung von Dr. Huub Schepers (Universität Wageningen) haben dies in vielen Versuchen bestätigt. Darüber hinaus wird von unseren Landwirten immer wieder die gute Regenfestigkeit hervorgehoben – es regnet öfters mal in den Niederlanden. Und natürlich ist ein flüssig formuliertes Produkt mit einer Aufwandmenge von 0,6 l/ha gerade für die größeren Betrieb ein Riesenvorteil im praktischen Umgang".

 *Fungicide Resistance Action Committee

 

Interessant, wie ähnlich sich Wein, Hopfen und Kartoffeln sind.

 

Dr. Bernd Loskill, Fachberater Spezialkulturen, Syngenta

Syngenta Wein SpezialkulturenIn Spezialkulturen setzen wir Mandipropamid-haltige Produkte gegen die jeweils ertragsrelevantesten Erreger im Wein- und im Hopfenanbau ein. Dies sind die Falschen Mehltau-Pilze Plasmopara viticola in Wein und Peronospora humuli in Hopfen. Dazu kommen noch einige Anwendungen in Gemüsekulturen.
Im Weinbau kann im nunmehr zweiten Jahr das Produkt Ampexio, die Mischung von Mandipropamid mit Zoxamide, in der empfindlichsten Phase um die Blüte und zum Schutz der noch jungen Trauben angewendet werden. Für die Winzer ist die starke Bindung an die Wachsschicht der Blätter und Beeren eine entscheidende Wirkstoffeigenschaft von Mandipropamid. Sie bedeutet lange Dauerwirkung und Schutz vor Abwaschung bei Regenfällen. Im „Regen-Juni 2016“ hatten wir den stärksten Befall mit Falschem Mehltau im Weinbau seit vielen Jahren. In dieser Situation trennte sich in den Versuchen die Spreu vom Weizen. Spritzfolgen mit Mandipropamid zeigten in dieser Situation eine sichtbar überzeugende Leistung.

Ähnliche Aspekte gelten für Revus in Hopfen. Interessanterweise wächst in dieser Kultur,  nach den positiven Erfahrungen der letzten nassen Jahre, die Zahl der Mandipropamid-Nutzer weiter stetig an.

Letztlich gibt es viele Parallelen zwischen den Erregern in Kartoffeln und in Spezialkulturen sowie dem Verhalten des Wirkstoffs in den einzelnen Kulturen. In den 10 Jahren des Einsatzes von Mandipropamid-haltigen Fungiziden hat mich die hohe Wirkungskonstanz in allen Versuchen und in der Praxis beeindruckt. Dies ist in all diesen Kulturen entscheidend, da ja ein hoher Marktwert auf dem Feld und in der Anlage steht. Und Kartoffeln können wir in diesem Zusammenhang mehr den Spezialkulturen zuzurechnen.

 

10 Jahre Mandipropamid im deutschen Markt sind für den Wirkstoff eine starke Bestätigung und für Syngenta eine Herausforderung für die nächsten Jahre.

 

Manfred HudetzDr. Manfred Hudetz, Geschäftsführer für Deutschland/Österreich/Schweiz, Syngenta

In meinem Berufsleben bei Syngenta konnte ich in verschiedenen Bereichen und verschiedenen Ländern Erfahrungen sammeln. Eine der wichtigsten ist: Der beste Gradmesser für die Qualität eines Wirkstoffes bzw. eines Produktes ist seine Akzeptanz in der Praxis über einen längeren Zeitraum. Wenn wir heute die Marktforschung zu Mandipropamid bemühen, können wir feststellen, dass – vereinfacht gesagt - jeder Hektar Kartoffeln in Deutschland im Durchschnitt einmal pro Jahr mit einem Mandipropamid-haltigen Produkt behandelt wurde. Und das über einen Zeitraum von 10 Jahren! Natürlich freuen wir uns, dass Revus, Revus Top und Carial Flex offensichtlich die Bedürfnisse der Kartoffelanbauer erfüllen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Syngenta der Praxis Mandipropamid-haltige Produkte - auch in einem schwierigen Zulassungsumfeld - längerfristig zur Verfügung stellen kann. Zudem werden neue Produkte bald erwartet. Ich wünsche unseren Kartoffelanbauern eine erfolgreiche Saison und hoffe, dass auch Mandipropamid-Produkte wieder dazu beitragen, die Bestände gesund zu erhalten und die Erträge zu sichern.