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Der Start gegen Phytophthora: Darauf kommt es in den frühen Behandlungen an

Aktuelles Kartoffeln
18.05.2017

Entscheidend für den Bekämpfungserfolg der gesamten Spritzfolge ist der richtig terminierte Spritzstart gegen Phytophthora infestans. Ebenso wichtig sind die Eigenschaften der Wirkstoffe und die Pflanzenentwicklung. Die Kartoffelexperten Karl-Friedrich Schaper-Viedt, Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz bei der LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Braunschweig) und Henning Meinecke (Regionaler Marketingleiter bei Syngenta im Verkaufsgebiet Nord, Isernhagen) diskutieren über ihre Erfahrungen und Empfehlungen.

kartoffelexperte Karl Schaper-ViedtKarl-Friedrich Schaper-Viedt, Berater für Pflanzenbau/-schutz an der Bezirksstelle Braunschweig der LKW-Niedersachsen. Er betreut den Landkreis Gifhorn, nördlich von Braunschweig. Kartoffelanbau 7500ha, 2/3 Industriekartoffeln für Chips, 1/3 Speisekartoffeln. Er berät in diesem Gebiet bereits seit mehr als 25 Jahren.

 

 
 

Herr Schaper-Viedt, der Spritzstart gegen Phytophthora ist von entscheidender Bedeutung für den Bekämpfungserfolg der gesamten Spritzfolge. Wonach richten Sie in Ihrer Beratung den ersten Anwendungstermin aus?

Eine wichtige Entscheidungshilfe sind Prognosemodelle, wie zum Beispiel die über die ISIP-Plattform angebotenen Programme Simblight1 für den Spritzstart und Symphyt3 für die Folgebehandlungen. Auch sind Informationen zur Bodenfeuchte wichtig, da bei hoher Bodenfeuchtigkeit die Gefahr des Auftretens von Stängelbefall deutlich erhöht ist.

Welche Besonderheiten gibt es betreffend der Anbau- und Betriebsstrukturen in Ihrer Region? Was bedeutet das für die frühen Phytophthora-Spritzungen?

Im Beratungsgebiet der Bezirksstelle Braunschweig findet ein intensiver Frühkartoffelanbau unter Folie statt. Diese Bestände müssen nach dem Abnehmen der Folie intensiv kontrolliert werden. Ist bereits Krautfäule-Befall vorhanden, weist dies auf einen frühen Befallsbeginn auch bei der Freilandware hin. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, wenn in Folienkartoffeln kein früher Befall vorliegt, ist auch in den Freilandbeständen die Wahrscheinlichkeit eines frühen Ausbruchs gering.

Im Landkreis Gifhorn werden Verarbeitungskartoffeln für die Chipsproduktion in Hankensbüttel angebaut. Für die frühe Versorgung der Produktion handelt es sich insbesondere um Sorten, die überdurchschnittlich Phytophthora-anfällig sind, wie z.B. Lady Rosetta. Diese Bestände erfordern eine intensive Kontrolle.

Auch hat sich die Struktur der Kartoffelbetriebe in den letzten Jahren stark verändert. Durch Spezialisierung und Bildung von Betriebsgemeinschaften sind deutlich größere Anbauflächen pro Betrieb entstanden. Diese Flächen lassen sich nicht mehr an einem Tag durchspritzen. Dieses muss bei der Empfehlung, besonders in kritischen Witterungsphasen berücksichtigt werden.

Herr Meinecke, welche Wirkstoffeigenschaften eines Fungizids sind aus Ihrer Sicht wichtig für die ersten Fungizidbehandlungen in Kartoffeln?

Versuche und Praxiseinsätze belegen, dass es bei den Startspritzungen auf eine sehr gute systemische Verteilung des Wirkstoffs in der Pflanze ankommt. Primärinfektionen der Krautfäule - von der Knolle her kommend - werden so am besten erfasst. Die überlegene Wirkung von Metalaxyl-M im Ridomil Gold MZ ist ein langjähriger Beleg dafür. Bei den nachfolgenden Applikationen muss der starke Krautzuwachs geschützt werden. Produktkombinationen mit einem teilsystemischen Wirkstoff wie Cymoxanil in Carial Flex sind in dieser Phase zu empfehlen.

Herr Schaper-Viedt, das Resistenzmanagement ist aufgrund der Behandlungsintensität gegen Krautfäule besonders wichtig. Wie berücksichtigen Sie diesen Aspekt in Ihrer Beratung?

Die Wirksamkeit der wichtigen Wirkstoffgruppen muss unbedingt erhalten bleiben. Wir empfehlen daher einen Wirkstoffwechsel. Zum Spritzstart wird seit Jahren mit gutem Erfolg der Wirkstoff Metalaxyl-M im Ridomil Gold MZ eingesetzt. Da der Einsatz konsequent auf eine frühe Behandlung begrenzt wird, ist nach wie vor eine stabile Leistung des Wirkstoffes gegeben. Im weiteren Verlauf der Spritzfolge empfehlen wir potente teilsystemische Produkte. Das Instrumentarium an Wirkstoffgruppen gilt es möglichst breit zu nutzen.

Kartoffelexperte Henning MeineckeHenning Meinecke, Regionaler Marketingleiter Verkaufsgebiet Nord, beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Fragen rund um den Pflanzenschutz in Kartoffeln. Daraus resultiert ein großer Erfahrungsschatz zur Phytophthora Bekämpfung - speziell mit den Wirkstoffen Metalaxyl-M und Mandipropmid - sowie zur Nutzung von Prognosesystemen wie dem Phytophthora Modell Weihenstephan.

 
 

Herr Meinecke, Syngenta führt in ihrem Forschungszentrum in Stein, in der Nähe von Basel, seit Jahren ein Fungizid-Resistenzmonitoring durch. Gibt es neue Erkenntnisse zu den Wirkstoffen Metalaxyl-M und Mandipropamid?

Das Resistenzniveau von Metalaxyl-M bzw. der Phenylamide hat sich in den letzten Jahren stabilisiert und ist aktuell sogar rückläufig. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie in der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Beratung eine wichtige Wirkstoffgruppe für den praktischen Einsatz erhalten wird. Der Wirkstoff Mandipropamid ist in unseren Fungiziden Revus, Revus Top und Carial Flex enthalten. Hier sehen wir nach deutlich mehr als zehn Jahren Monitoring, auch unter intensivstem Fungizideinsatz, keinerlei Veränderungen der Sensitivität der Phytophthora.

Was bedeutet die Daten für die Empfehlungen in der Saison 2017?

Die aktuellen Ergebnisse aus dem Resistenzmonitoring bestätigen unsere Spritzfolgestrategien und geben unseren Empfehlungen noch mehr Sicherheit. Für Ridomil Gold MZ bedeutet dies: Vorbeugender Einsatz in der ersten Behandlung, nicht bei bereits sporulierendem Befall. In solchen Fällen sollte Carial Flex eingesetzt werden. Das FRAC (Fungicide Resistance Action Commitee) bestätigt unsere Empfehlung, dass Mandipropamidhaltige Produkte in 50% der Spritzungen in einer Spritzfolge gegen Phytophthora zur Anwendung kommen können. Bei durchschnittlich circa neun Anwendungen pro Saison bei uns in Niedersachsen, bedeutet dies, dass Carial Flex, Revus und Revus Top vier bis fünfmal in eine Spritzfolge eingebaut werden können.

Herr Schaper-Viedt, kommen wir zum Stichwort „Stängelphytophthora“. Wie war das Auftreten der knollenbürtigen Symptome in den letzten Jahren?

In unserer Region ist die Stängelphytophthora nur ein geringes Problem. Der Anbau findet überwiegend auf leichten Böden statt und der ostniedersächsische Raum hat häufig unterdurchschnittliche Niederschläge. Bei hohen Regenmengen im Mai kommt es aber dann doch zu stärkerem Auftreten. So 2007, dem Jahr mit dem historisch stärksten Befall. Aber auch in den Jahren 2014 und 2016 trat frühe Stängelphytophthora in stärkerem Umfang auf.

Welche Wirkstoffe bzw. Kombinationen haben sich gegen die primäre Stängelphytophthora besonders bewährt?

In kritischen Jahren kann die Situation in der Region durch einen frühen Spritzstart normalerweise gut kontrolliert werden. Hier werden die Produkte Ridomil Gold MZ und Infinito empfohlen. Rechtzeitige Folgebehandlungen mit teilsystemischen Produkten, wie Revus und Valbon sichern das weitere Wachstum der Bestände ab.

Herr Meinecke, welche Schwerpunktempfehlungen geben Sie den Kartoffelanbauern für die Behandlungen gegen Phytophthora vom Spritzstart bis in die Blüte in der Saison 2017?

Prognosemodelle spielen – wie bereits erwähnt - eine wichtige Rolle für die erste Behandlung. Erwiesenermaßen hat unser Prognosetool das Phytophthora Modell Weihenstephan den richtigen Termin des Spritzstarts seit mehr als 15 Jahren verlässlich ausgewiesen! Außerdem zeigt sich, dass sich Mandipropamidhaltige Produkte wie Carial Flex - im Anschluss an Ridomil Gold MZ in der ersten Applikation – besonders eignen, um Phytophthora in der Wachstumsphase der Kartoffel sicher zu kontrollieren.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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