You are here

Share page with AddThis

Das Phytophthora Modell Weihenstephan – zielgerichtete Bekämpfung von Kartoffelkrankheiten

Aktuelles Kartoffeln
04.05.2017

Wissenschaftlich aktuell und nutzerfreundlich – Das Phytophthora Modell Weihenstephan – der Syngenta Service zur zielgerichteten Bekämpfung von Kartoffelkrankheiten.

Der kostenfreie Service von Syngenta unterstützt Landwirte und Berater, den richtigen Zeitpunkt für die Spritzfolge sowie die passende Fungizidstrategie gegen die wichtigsten Kartoffelkrankheiten – Phytophthora und Alternaria – zu finden. Die Experten Dr. Hans Hausladen (Technische Universität München/Weihenstephan) und Markus Warnke (Syngenta Agro) stellen den Werdegang des Services und aktuelle Weiterentwicklungen vor.

 

Dr. Hans HausladenDr. Hans Hausladen, Technische Universität Weihenstephan, Lehrstuhl für Phytopathologie. Seine wissenschaftlichen Arbeiten bilden die Basis für das Phytophthora Modell Weihenstephan. Er beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit pilzlichen Erkrankungen der Kartoffel. Er ist der deutsche Vertreter bei EuroBlight* und leitet dort die Arbeitsgruppe Alternaria.

 
 

Herr Dr. Hausladen, das Phytophthora Modell Weihenstephan findet seit mehr als 15 Jahren seine Anwendung in der Praxis. Was waren aus Ihrer Sicht die wesentlichen wissenschaftlichen Voraussetzungen für dieses Modell?

Im Rahmen von Forschungsarbeiten haben wir Mitte der 90er Jahre verschiedene Simulationsmodelle validiert. Es hat sich gezeigt, dass ein valides Entscheidungsmodell zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule auf zwei Säulen stehen muss: Einer Bewertung des witterungsbedingten Epidemieverlaufs einerseits und die Erfassung der tatsächlichen Befallssituation auf Monitoringflächen andererseits. Erst die Zusammenführung dieser beiden Informationen und die schnelle und tagesaktuelle Darstellung der Ergebnisse führten zu einem funktionalen Entscheidungsmodell. Inzwischen findet dieses System in zahlreichen europäischen Ländern seine praktische Anwendung.

Für die Entwicklung unseres Modells zur Risikobewertung des Erstauftretens von Phytophthora infestans haben wir die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Bodenfeuchte und Erstauftreten des Erregers beschrieben. Die Auswertung von Befallsdaten hat gezeigt, dass das Modell seit der Einführung im Jahr 2000 das Risiko für das Erstauftreten richtig bewertet hat.

Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in das Phytophthora Modell Weihenstephan ein?

Betreffend Phytophthora infestans haben wir aktuelle Forschungsergebnisse zu den Themen Temperaturanpassung und Veränderungen bei der Latenzzeit (Zeitspanne zwischen Infektion und Auftreten von Symptomen) im Modell berücksichtigt. So betrug zum Zeitpunkt der Einführung des Modells die Latenzzeit des Erregers noch 5 Tage, aktuell beträgt sie zwei bis drei Tage. Diese Änderung hat natürlich einen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung der Epidemie. Aktuelle Forschungsergebnisse zu Alternaria werden ebenso in das Modell eingepflegt.

Herr Warnke, Syngenta bietet das Phytophthora Modell Weihenstephan seit mehr als 15 Jahren an. Ist dieser Service noch aktuell in unserer schnelllebigen Zeit?

Das ursprüngliche Ziel dieses Serviceangebotes war es, Fungizidmaßnahmen gegen Phytophthora gezielt zu terminieren, um unnötige Behandlungen zu vermeiden. Insbesondere sollte die Entscheidung für die erste Spritzung nicht mehr „nach Bauchgefühl“, sondern auf Basis verlässlicher Prognosen getroffen werden. Das Phytophthora Modell Weihenstephan in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Hausladen hat dabei einen neuen Standard gesetzt und gilt als Referenz. Für den Landwirt stellt sich die Frage des richtigen Zeitpunkts einer Krankheitsbekämpfung jedes Jahr aufs Neue. Somit ist auch der Service noch immer aktuell. Dazugekommen sind in den letzten Jahren Prognosen für Alternaria, die bundesweit weiter an Bedeutung gewinnt.

Hat sich die Form verändert, in der Sie den Service anbieten?

Auch in dieser Hinsicht entwickeln wir das Phytophthora Modell Weihenstephan ständig weiter. Viele Landwirte erhalten heute den Service als Email. Die Informationen auf unserer Internetseite werden zunehmend genutzt. Im letzten Jahr haben wir Darstellung, Nutzerfreundlichkeit und Inhalte unseres Online Service signifikant verbessert und in eine leistungsfähigere Technologie integriert.

Herr Dr. Hausladen, bei Ihnen laufen in der Saison jede Woche die Bonituren von etwa 100 Landwirten aus ganz Deutschland zusammen. Wie „verarbeiten“ Sie diese Daten?

Von mehr als 150 Praxisflächen erhalten wir Boniturdaten zum Befall mit Phytophthora und Alternaria auf behandelten und unbehandelten Schlägen. Wir validieren diese Daten und bündeln diese anschließend zur übersichtlichen Darstellung im Internet.

Markus Warnke, ist als Leiter des Teams Digitales Marketing federführend mit der Umsetzung des Phytophthora Modells Weihenstephan in die Praxis tätig. In seinen Tätigkeitsbereich fiel die umfangreiche Überarbeitung der Syngenta Online Agrar Services und die Erweiterung der Funktionalitäten für die Saison 2017.  

 
 

Herr Warnke, wie finden diese Daten ihren Weg zu den Kartoffelanbauern?

Befallskarten und Empfehlungen werden jeweils Anfang der Woche an Syngenta übermittelt und zusammen mit den aktuellen Wetterdaten in das System eingespielt. Meist noch am gleichen Tag erhalten Landwirte dann schlagspezifisch aktuelle Befallsdaten, Prognosewerte sowie konkrete Handlungsempfehlungen für ihre individuelle Fungizidstrategie. Diese Daten sind eine Woche online auf unserer Website abrufbar, bevor sie erneut aktualisiert werden. Für registrierte Landwirte bieten wir noch den besonderen Service eines zusammengefassten Berichts per Email oder Fax an. Der Versand erfolgt in der Saison einmal wöchentlich zu Wochenbeginn.

In diesem Jahr hat Syngenta noch zusätzliche Funktionen in den Service übernommen. Könnten Sie diese kurz beschreiben.

Wir bieten in 2017 folgende Neuigkeiten:

  1. Einen interaktiven Rechner zur schlagspezifischen Bestimmung des Spritzabstands.
  2. Regionale Karten zum Epidemiedruck von Phytophthora und Alternaria.
  3. Saisonale Befallsbonituren der „Service-Landwirte“ für jeden Monitoring-Standort.

Ich denke, das sind hilfreiche Angebote, um sowohl Entscheidungen, als auch die Saisonanalyse noch gezielter zu gestalten. In unseren Hintergrundinformationen haben wir diese neuen Funktionen genauer beschrieben.

Herr Dr. Hausladen, das Phytophthora Modell Weihenstephan wird jetzt seit mehr als 15 Jahren angeboten. Was macht es aus Ihrer Sicht weiterhin attraktiv?

Solange das Modell eine echte Unterstützung bei der Entscheidungsfindung ist, wird es weiterhin attraktiv bleiben. Es wird laufend an den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn angepasst. Das Phytophthora Modell Weihenstephan stellt dem Landwirt hochwertige und immer aktuelle Informationen zur Verfügung. Das Ganze ist transparent und übersichtlich aufbereitet. Jeder Nutzer kann es auf seinem bevorzugten Weg, per Email, Fax oder das Internet beziehen. Dabei bleibt der Landwirt immer der Entscheidungsträger der spezifischen Fungizidmaßnahme an seinem Standort! Das Modell unterstützt ihn mit wichtigen Informationen in seiner Entscheidung.                                                    

Welche Möglichkeiten sehen Sie aus der Sicht der Wissenschaft, das Phytophthora Modell Weihenstephan weiterzuentwickeln?

Zentral ist, die genannten Anpassungen der Erreger zu erfassen und die Veränderungen in das rechnergestützte Simulationsmodell zu übertragen. Wir führen dazu umfangreiche Isolatstudien mit Phytophthora infestans und Alternaria solani an unserem Institut durch. Des weiteren laufen Modellierungsprojekte zum Erstauftreten der Krautfäule im  Zusammenhang mit der Bodenfeuchte mit erfolgversprechenden Perspektiven zur Weiterentwicklung des Modells.                      .

Wir danken für das Gespräch. 

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

 

* weitere Informationen unter www.euroblight.net