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Alternaria wird uns noch lange beschäftigen

Aktuelles Kartoffeln
19.06.2018

Die Alternaria-Dürrfleckenkrankheit ist im Vergleich zur Kraut- und Knollenfäule noch eine relativ „junge“ Krankheit im Kartoffelanbau. Entsprechend bietet sie daher Raum, sich intensiver mit ihr sowohl aus Sicht der Wissenschaft als auch aus Sicht der Beratung zu beschäftigen. Dr. Hans Hausladen vom Lehrstuhl für Phytopathologie der Technischen Universität München/Weihenstephan und Dr. Karsten Buhr, Technischer Experte für Kartoffeln im Unternehmen Syngenta berichten über aktuelle Fragestellungen zu Alternaria.

Herr Hausladen, Alternaria an Kartoffeln ist seit vielen Jahren ein Forschungsschwerpunkt am Institut für Phytopathologie in Weihenstephan. Was war der Auslöser, sich mit dieser Krankheit zu beschäftigen?

In Rahmen meiner Dissertation Ende der 90er Jahre habe ich mich mit dem Erreger der Kraut-und Knollenfäule Phytophthora infestans beschäftigt. Dabei konnten wir in vielen Feldversuchen auch Alternaria beobachten, die bis dahin kaum beachtet wurde. Wir sahen, dass die Fungizide zur Kontrolle der Krautfäule nicht oder nur sehr gering auf Alternaria wirkten. Auch war die Ertragsrelevanz der Krankheit noch unklar. Zu dieser Zeit arbeitete in Europa noch niemand wissenschaftlich zu Alternaria in Kartoffeln. Ihr Auftreten wurde aber schon in Bayern, Österreich und Polen diskutiert. Sie sehen, viele offene Fragen, davon träumt man als Wissenschaftler.

Dr. Hans HausladenDr. Hans Hausladen, Technische Universität Weihenstephan, Lehrstuhl für Phytopathologie. Er beschäftigt sich seit mehr als 18 Jahren mit der Alternaria-Dürrfleckenkrankheit und leitet als Vertreter Deutschlands bei EuroBlight* die Arbeitsgruppe Alternaria.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten bildeten die Basis für die Integration von Alternaria in das Phytophthora Modell Weihenstephan.

An welchen Themen haben Sie dann in den letzten Jahren gearbeitet?

Zuerst ging es darum, die beiden Arten Alternaria alternata und Alternaria solani sicher diagnostizieren zu können. Dies war die Voraussetzung für eine fundierte Interpretation der deutschlandweiten Versuche zur Ertragsrelevanz. Weiterhin haben wir uns mit der Biologie und Epidemiologie des Erregers befasst. Dazu kamen Fungizidversuche mit Vertretern verschiedener Wirkstoffgruppen. Ziel war es, Aussagen zu Bekämpfungsstrategien gegen Alternaria abzuleiten und entsprechende Prognosemodelle zu entwickeln. Um einen integrierten Ansatz der Erregerkontrolle führen zu können, waren auch umfangreiche Versuche zu pflanzenbaulichen Parametern einschließlich der Sortenanfälligkeiten nötig.

Herr Buhr, Syngenta beschäftigt sich auch seit Jahren wissenschaftlich mit der Alternaria an Kartoffeln.

Sicherlich nicht in dieser Breite wie das Team um Dr. Hausladen in Weihenstephan. In unserem Forschungszentrum in Stein bei Basel arbeiten Forscher intensiv an Themen zur Fungizidresistenz. Nicht nur in Feldversuchen, auch auf molekularer Ebene. Hier gibt es einen intensiven Austausch mit den universitären Arbeitsgruppen.

Dr. Karsten BuhrDr. Karsten Buhr, Technischer Experte Kartoffeln bei Syngenta. Er ist fachlich verantwortlich für das Kartoffelportfolio von Syngenta. Mit Einführung von Ortiva und Revus Top stellt die Alternaria-Bekämpfung einen Schwerpunkt in der fachlichen Beratung, der Versuchsarbeit und im Resistenzmonitoring dar.

Herr Hausladen, hat sich in der jüngsten Zeit die Ausrichtung der Forschungsprojekte zu Alternaria verändert?

Unser Credo war immer: Fragen aus der Praxis aufnehmen, sie wissenschaftlich bearbeiten und die Ergebnisse wieder der landwirtschaftlichen Praxis zugänglich machen. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit der Beratung sind dabei essentiell. Das hat sich in nunmehr circa 20 Jahren Forschung über Alternaria bewährt. Neue wissenschaftliche Methoden und Instrumentarien erlauben natürlich manche Aspekte schneller und tiefergehend zu bearbeiten.

Können Sie dafür Beispiele nennen?

Mit modernen Methoden der DNA Sequenzierung des Pilzes können wir zum Beispiel sehr schnell Aussagen zur Fungizidsensitivität der Alternaria machen. Dies stellt eine wichtige Ergänzung zu Feldversuchen dar. Spannend ist auch, sich genetische Unterschiede und Verwandtschaften von Alternaria-Herkünften aus verschiedenen Regionen anzusehen.

Herr Buhr, wie hat Syngenta die Forschungsergebnisse der Arbeiten aus Weihenstephan genutzt?

Auf Basis der Forschungsergebnisse können wir jetzt der Praxis ein Alternaria-Modul innerhalb des Phytophthora Modells Weihenstephan anbieten. Es wurde am Lehrstuhl für Phytopathologie entwickelt, wobei uns zusätzlich zahlreiche Kartoffelanbauer in der Saison mit Bonituren unterstützen. 

Welche konkrete Unterstützung leistet das Alternaria-Modul?

Hier kann ich eine Reihe von Beispielen nennen. So liefert das Modul Erkenntnisse zur Terminierung der ersten Alternaria-Maßnahme sechs bis sieben Wochen nach dem Auflaufen. Sehr wichtig waren auch die Erkenntnisse zur Ertragsrelevanz, speziell von Alternaria solani, und Ergebnisse zu den spezifischen Wirksamkeits- und Resistenzsituationen einzelner Wirkstoffgruppen. Daraus leiten sich unsere Empfehlungen für Anti-Resistenzstrategien in Spritzfolgen ab.

Auch ist zu erwähnen, dass die Erkenntnisse zur Bodenbürtigkeit des Alternaria-Inokulums uns einen wichtigen Zusammenhang erklären in Bezug auf die Furchenbehandlung mit Ortiva . Hier haben wir unsere Empfehlungen zur Furchen- und Blatt-Anwendung angepasst.

Herr Hausladen, welche Themen werden derzeit von Ihnen im Zusammenhang mit Alternaria bearbeitet?

Einen Forschungsschwerpunkt stellt im Moment die Testung biologischer Präparate auf ihre Wirksamkeit gegenüber Alternaria dar. Sicherlich haben wir im chemischen Pflanzenschutz deutlich wirksamere Produkte. Aber wir benötigen Alternativen und Ergänzungen zur Kontrolle von Alternaria. Die Probleme bei der Zulassung und bei Resistenzentwicklungen sind allgemein bekannt. So finden wir in unseren Versuchen bereits interessante Ansätze mit Bacillus- oder Trichoderma- Präparaten.

Auch setzen wir uns mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Alternaria-Dürrfleckenkrankheit auseinander. Dieser Pilz bevorzugt höhere Temperaturen und Stresssituationen. Wir gehen folglich davon aus, dass Alternaria zunehmen wird. Interessant ist, dass die Alternaria-Progression in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden im Vergleich zu südlichen Kartoffelanbaugebieten unterschiedlich verläuft. Es gibt Hinweise, dass dafür nicht nur das Wetter, sondern auch unterschiedliche Alternaria-Stämme verantwortlich sind. Das sehen wir uns noch näher an.

Herr Buhr, sehen Sie in diesen Themen Ansätze für neue Pflanzenschutzkonzepte bei Syngenta?

Wir sind schon sehr gespannt auf die Versuchsergebnisse zur Fragestellung des Einflusses verschiedener Temperaturen auf die Alternaria. Dies kann sehr konkrete Auswirkungen auf die Terminierung von Fungizidmaßnahmen und Spritzabständen haben. Wir werden diese Beobachtungen in den Versuchen mit einem neuen Fungizid gegen Alternaria prüfen.

Auch das Thema „Biocontrol“ nimmt bei Syngenta inzwischen einen hohen Stellenwert ein. In Spezialkulturen stehen Zulassungen unmittelbar bevor. Wir prüfen biologische Präparate aber auch breit gegen Erreger im Ackerbau.

Herr Hausladen, ist Alternaria an Kartoffeln also jetzt „enträtselt“ oder sehen Sie noch spannende Fragestellungen für die nächsten Jahre?

Wir haben noch einige hochinteressante, praxisrelevante Fragestellungen vor Augen. Alternaria Infektionen gehen bekanntlich vom Boden aus. Wir möchten dieses Inokulum quantifizieren, um das Befallsrisiko besser abschätzen zu können. Sehr spannend ist auch der Frage nachzugehen, warum Kartoffelpflanzen im Verlauf der Vegetation anfälliger gegenüber Alternaria werden. Hier planen wir in einem Lehrstuhl-übergreifenden Projekt Inhalts- und Botenstoffe zu identifizieren. Dies könnte der Resistenzzüchtung gegenüber Alternaria neue Impulse verleihen.

Die Alternaria an Kartoffeln wird uns also noch eine ganze Weile beschäftigen.

Wir danken für das Gespräch.

 

* weitere Informationen unter www.euroblight.net

Weitere Informationen finden Sie hier: