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Alternaria in Kartoffeln wird uns weiter beschäftigen

Aktuelles Kartoffeln
12.06.2017

Das Auftreten von Alternaria in Kartoffeln nimmt in vielen Ländern Europas zu. In den intensiven Kartoffelanbaugebieten im Südosten Bayerns ist diese Krankheit bereits seit Längerem von zentraler Bedeutung. Dr. Peter Wolf, Gründer der Versuchseinrichtung Agricola und Albert Mollen, Syngenta im Gespräch über neue Erkenntnisse aus Alternaria-Versuchen und Empfehlungen einer erfolgreichen Kontrolle dieser Krankheit. 

Kartoffelexperte Peter WolfDr. agr. habil. Peter Wolf gründete vor 10 Jahren die Versuchseinrichtung Agricola im Raum Straubing (Niederbayern). Dort werden Feldversuche in verschiedenen Ackerbaukulturen durchgeführt. Alternaria in Kartoffeln ist ein wichtiger Versuchsschwerpunkt. Vor der Gründung von Agricola war Peter Wolf über viele Jahre an der Technischen Universität München Weihenstephan und der Christian-Albrechts-Universität Kiel im Bereich Phytopathologie wissenschaftlich tätig. 

 
 

Herr Dr. Wolf, Sie führen Versuche in einer Region mit sehr hohem Alternaria-Druck durch. Hat sich das Auftreten dieser Krankheit in den letzten 10 Jahren verändert?

Alternaria beschäftigt uns in der Versuchstätigkeit verstärkt seit 2009. Anfangs wurde viel darüber diskutiert, ob diese Krankheit einen Schadfaktor darstellt. Heute stellen wir fest: Alternaria ist - je nach Sorte - jedes Jahr ein Schadfaktor. Da die Kartoffel als Hochpreis-Kultur an Attraktivität gewinnt, steigt ihr Anteil in der Fruchtfolge. Außerdem nehmen Durchwuchskartoffeln zu, auch bedingt durch die milden Winter. Das bedeutet zunehmender Infektions- und Befallsdruck. Früher herrschte die Auffassung vor, die  Alternaria-Abwehr mit der üblichen Krautfäule-Kontrolle quasi „mitzunehmen“. Heute muss die Krankheit als eigenständiger Schadfaktor gesehen werden, der spezielle Maßnahmen erfordert.

Wie sieht der Krankheitsverlauf in einem „typischen“ Alternaria-Jahr aus?

Alternaria ist wärmeliebend und braucht Feuchtigkeit für die Keimung. Symptome treten sehr schnell nach der Infektion auf. Ein typisches Jahr gibt es eigentlich nicht. Hohe Wachsamkeit ist von Anfang an nötig, auch sollten Prognosemodelle genutzt werden, wie zum Beispiel das Phytophthora Modell Weihenstephan, das auch Alternaria berücksichtigt.

Herr Mollen, welche Stellenwert hat die Alternaria-Bekämpfung in der Praxis?

Alternaria ist in der Starkbefalls-Region im Südosten Bayerns keine Nebensächlichkeit mehr. Sie wird von den dortigen Kartoffelanbauern als ernstzunehmendes Bekämpfungsziel wahrgenommen. Dementsprechend werden auch die Spritzfolgen und die Produktwahl angepasst. Nebenwirkungen von Mancozeb-Mischungen reichen nicht mehr aus. Längst sind Spezialwirkstoffe wie Azoxystrobin und Difenoconazol feste Bestandteile der Behandlungsstrategie.

Herr Dr. Wolf, welche Versuchsfragen stehen bei Ihnen betreffend Alternaria im Vordergrund?

Ziel der Versuchsreihen meiner Versuchseinrichtung ist es, Praktikern nachvollziehbare Maßnahmen zur Kontrolle von Krankheiten an die Hand zu geben. Wir nutzen dabei das ganze Programm integrierter Maßnahmen. Manchmal sind es auch die kleinen Bausteine, die zusammenwirken. So wird der Spritzstart auch weiterhin auf Phytophthora ausgerichtet. Hier setzen wir auf die Nebenwirkung von Mancozeb, die den Befallsbeginn von Alternaria hinauszögern kann.

 

Kartoffelexperte Albert MollenAlbert Mollen ist Marketingkoordinator bei Syngenta Agro im Verkaufsgebiet Süd. Einer seiner Kulturschwerpunkte ist die Kartoffel. In diesem Zusammenhang begleitet er seit längerer Zeit die Entwicklungen bei Alternaria in Kartoffeln, speziell auch in Starkbefalls-Regionen, und leitet daraus Empfehlungen für die Praxis ab.

 

 

 

Herr Mollen, welche wesentlichen Erkenntnisse können aus den Versuchen zur Alternaria-Bekämpfung gezogen werden?

Unser Fazit ist: Die wenigen sehr gut gegen Alternaria wirksamen Produkte müssen sinnvoll eingesetzt werden. Man darf das Pulver nicht zu früh verschießen, der Befall darf sich aber auch nicht etablieren. In dieser Region ist in jedem Jahr davon auszugehen, dass Alternaria ein bekämpfungswürdiges Problem ist. Also sind Produkte wie Ortiva und Revus Top elementare Bestandteile einer Fungizid-Spritzfolge.

Herr Dr. Wolf, derzeit wird viel über Fungizid-Resistenz bei Alternaria diskutiert. Was ist Ihr Fazit aus den Versuchen?

Gegen Alternaria wirksame Strobilurine sind als „One Site-Inhibitoren“ resistenzgefährdet. Daher ist es wichtig, die Anzahl der Anwendungen zu beschränken und sie rechtzeitig zu Befallsbeginn einzusetzen. Bei Berücksichtigung aller Einflussfaktoren, einem Wirkstoff-Wechsel und der Nutzung integrierter Maßnahmen leisten sie aber auch in Starkbefallsjahren und bei spätreifenden, anfälligen Sorten einen wichtigen Beitrag für eine erfolgreiche Bekämpfung. Für den Praktiker ist dieses Management sicherlich eine Herausforderung. Unsere Versuche und die daraus abgeleiteten Beratungsgrundlagen können aber einen wichtigen Beitrag leisten.

Herr Mollen, was sollten Landwirte bei der Planung von Fungizid-Spritzfolgen gegen Alternaria unbedingt beachten?

Für die Planung ist es wichtig, sich über den notwendigen Zeitraum der Alternaria-Kontrolle und über die Anzahl der Applikationen der wirklich wirksamen Produkte, im Klaren zu sein. Auch sind die richtigen Spritzabstände wichtig. Diese können aber nicht alle im Voraus geplant werden, hier hilft das Phytophthora Modell Weihenstephan mit der Alternaria-Prognose.

Um sicher zu sein, dass man zum Spritzstart gegen Alternaria nicht „zu wenig tut“ und unbewusst einen hohen Selektionsdruck ausübt, empfehlen wir in Regionen wie hier in Niederbayern, Ortiva als erste Maßnahme zu setzen und danach mit Revus Top im Wechsel zu agieren. Herr Dr. Wolf hat die Erfahrung gemacht, dass bei spät abreifenden Stärkekartoffeln noch spät Ertrag verschenkt wird, wenn die Alternaria-wirksamen Produkte zu früh „abgesetzt“ werden. Dann kann sich nochmal Befall etablieren, der die Abreife enorm beschleunigt.

Herr Dr. Wolf, welche Versuchsfragen sollten in den kommenden Jahren betreffend Alternaria bearbeitet werden?

Mit zunehmend geringerer Auswahl wirksamer Bekämpfungsmöglichkeiten wird es umso wichtiger, die Effizienz aller befallsmindernden Einflussfaktoren festzustellen. Das sind mitunter sehr komplexe Fragestellungen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre das zunächst einmal eine absolut Alternaria-resistente Kartoffelsorte mit den Eigenschaften unserer derzeitigen Hochleistungssorten. Aber um realistisch zu bleiben: Wir müssen unsere Kenntnisse über die Epidemiologie von Alternaria weiter vertiefen. Dann könnten wir den richtigen Bekämpfungstermin noch gezielter bestimmen, Spritzabstände ggfs. ausdehnen und den Selektionsdruck so niedrig wie möglich halten. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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