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Pflanzenschutz wird mehr als schwierig

Agrar News
10.06.2014

EU-Novelle der Pflanzenschutzgesetzgebung

Ab 2017 droht ein dramatischer Verlust an Pflanzenschutzmitteln. Beim Getreide könnten Krankheiten wie Septoria, Gelbrost, Fusarium, DTR oder Netzflecken in Zukunft nicht mehr bekämpfbar sein. Dieses wenig erfreuliche Bild zeichnete Volker Koch-Achelpöhler vom Industrieverband Agrar (IVA) im Rahmen der Ackerbautagung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) letzte Woche in Berlin.

Die Ziele der neuen Pflanzenschutzgesetzgebung wie ein besserer Schutz für Mensch und Umwelt, Harmonisierung in Europa und Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion seien in der Realität verfehlt worden. Nach wie vor werden, so Koch-Achelpöhler, europäische Leitlinien unzureichend umgesetzt. Bei den Zulassungsverfahren gibt es nationale Sonderanforderungen und mangelndes Vertrauen der Behörden in die Bewertungen anderer Mitgliedsstaaten.

Fehlende Ressourcen bei den Behörden
Bei den Behörden reichten zudem die Ressourcen nicht aus. Das führe zu Staus bei Altanträgen. Außerdem rolle eine riesige Welle von neuen Produktzulassungen auf Deutschland zu (über 140 Wirkstoffe von 2014 bis 2018). In der Konsequenz stünden den landwirtschaftlichen Erzeugern die Produkte immer später zur Verfügung. Eine Harmonisierung auf europäischer Ebene, die Umstrukturierung der Behörden sowie zusätzliche Ressourcen bei diesen hält der Vertreter der Pflanzenschutzindustrie für unverzichtbar.

Neun der zehn meistverkauften Getreide-Fungizide fallen weg
Koch-Achelpöhler erläuterte eine Studie des Industrieverbandes. In dieser wurde ermittelt, wie viele zugelassene Pflanzenschutzmittel in Zukunft wegfallen könnten, wenn die Kriterien für hormonschädliche Stoffe (endrokrine Disruptoren) der EU-Kommission umgesetzt würden. Bei Getreide-Fungiziden fallen neun der zehn meistverkauften Produkte weg. Viele Krankheiten sind in Zukunft nur noch eingeschränkt zu bekämpfen, ganz zu schweigen vom Umgang mit Resistenzen.

Im Kartoffelbau würden Kontaktmittel knapp und neue Wirkstoffe seien nicht in Sicht. Bei den Kartoffel-Herbiziden seien Resistenzprobleme absehbar.

Eine Leitlinie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zur Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln bei Bienen führt, sofern umgesetzt, dazu, dass absehbar keine neues Insektizid für den europäischen Markt mehr zugelassen wird.

Landwirte sollen sich aktiv in die Diskussion einbringen
Neu entwickelte Wirkstoffe können die Verluste an Altwirkstoffen bei weitem nicht kompensieren. Für diesen Fall hat auch die Industrie keinen Plan B, skizziert der IVA-Vertreter den Blick auf die Jahre ab 2017.

Landwirte sollten sich deshalb auf allen Ebenen aktiv in die Diskussion einbringen und zur Versachlichung beitragen.

Brigitte Braun-Michels