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Sonnenbrand muss verhindert werden

Aktuelles Spezialkulturen
05.06.2020
Weinbau Teilentblätterte Rebanlagen

„Switch(en)" sie ihre Kulturmaßnahmen

Die Entblätterung der Rebanlagen wurde in den letzten Jahren immer mehr und immer intensiver durchgeführt. Das Jahr 2019 mit Temperaturen um die 40 °C hat nunmehr auch Grenzen dieser Kulturmaßnahme aufgezeigt: stark und vor allem beidseitig entblätterte Anlagen litten unter irreversiblen Sonnenbrandschäden in teils noch nie da gewesenem Ausmaß. Die Konsequenzen für die Erträge, aber auch die Weinqualitäten, waren massiv.

Es ist zu befürchten, dass sich diese Klimaextreme in der Zukunft wiederholen. Mehr denn je gilt es Vor- und Nachteile der Entblätterung abzuwägen und eine ausgewogene Vorgehensweise für seinen Betrieb zu entwickeln:

VORTEILE einer moderaten und frühzeitigen maschinellen Teilentblätterung

  • Keine erhöhte Botrytisgefahr durch Beerenverletzungen
  • Gewebeabhärtung, Verstärkung der Kuticula, dadurch kaum erhöhte Sonnenbrandgefahr und verbesserte Platzfestigkeit der Beeren
  • Möglichkeit einer Ertragsregulierung und Auflockerung der Traubenstruktur mit bestimmten Techniken bzw. durch geringere Zellteilungsrate und/oder höhere Verrieselung
  • Verringerung des Besatzes von Sauerwurm, Ohrwurm und Kirschessigfliege
  • Bessere Anlagerung von Pflanzenschutzmitteln
  • Verbesserung der Belichtung, Besonnung und Austrock-nung der Trauben
  • Bessere Traubengesundheit, dadurch spätere Lese und entsprechende Qualitätsverbesserung möglich
  • Gesünderes Lesegut ergibt geringere kellerwirtschaftliche Probleme
  • Förderung der Aromenbildung bei weißen, der Farbausprägung und Phenolstruktur bei roten Sorten

NACHTEILE einer zu starken und/oder zu späten (maschinellen) Teilentblätterung

  • Verletzte Beeren erhöhen die Fäulnisgefahr
  • Hohe Sonnenbrandgefahr**
  • Mangelnde Blattfläche
  • Mostgewichtsverluste
  • Starker Säureabbau möglich
  • Erhöhte Phenolgehalte bei Weißweinen möglich**
  • Schlechtere N-Versorgung der Moste möglich
  • Schwer kalkulierbare Ertragsverluste*

Quelle: Walg, O. (2019): Saugen oder zupfen? Laubwand. Bei der Entblätterung sollte man unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt und die gewünschte Intensität achten. Der Deutsche Weinbau 10. S 14-18
siehe dazu auch: 
*Lentes, E. (2020): Ziel ist eine lockere Traubenstruktur. Das Deutsche Weinmagazin 9, 11-15
** Stoll, M. et al (2020): Ein gutes Blatt in der Hand Laubwandgestaltung. Der Deutsche Weinbau 11, 20-22.

Entblätterungsstrategien anpassen

Ziel muss es sein, Sonnenbrandschäden infolge einer Laubwandregulierung zu vermeiden. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Eine Entblätterung kurz nach der Blüte ist sinnvoll
  • Möglichst nur auf einer Laubwandseite entblättern (sonnenabgewandt bzw. Nord- oder Ost-Seite)
  • Wer maschinell nur beidseitig entblättern kann, sollte eine moderate Einstellung des Entlaubers wählen
  • Keine Entblätterung vor einem Witterungswechsel oder in einer Hitzephase

​​Botrytis gezielt begegnen – ohne Sonnenbrand

Weinbau Teilentblätterte RebanlagenNimmt man die Entblätterung zurück, kann die Infektionsgefahr durch Botrytis steigen. Für die Kontrolle dieses Erregers stehen allerdings hochwirksame, pflanzenverträgliche Fungizide zur Verfügung, die gezielt und differenziert nach Sortenanfälligkeit und geplanter Qualitätsstufe eingesetzt werden können. Behandlungen zum Zeitpunkt kurz vor Traubenschluss erzielen die beste Wirkung. Zu diesem Zeitpunkt können die Fungizide das Stielgerüst noch direkt benetzen und gewährleisten dadurch einen langanhaltenden Schutz der Trauben von Innen heraus. Nach einer Teilentblätterung der Laubwand stehen die Trauben freier. Dies erlaubt es, bei der Fungizidmaßnahme Beeren und Blätter besser zu benetzen. Somit kann vor allem in den infektionsgefährdeten Bereichen, im Inneren der Trauben und an den Stielgerüsten, mehr Wirkstoff angelagert werden. Zudem lässt sich der Anteil an nur unzureichend benetzten Beeren und Stielgerüsten deutlich reduzieren.