Kulturen - Arznei- und Gewürzpflanzen - Senf
 
 
Senf (Sinapis alba)

Geschätzte Anbauflächen (zur Körnernutzung in ha):

Ungarn
Großbritannien
Österreich
Frankreich
18.000
1.200
250 

Verwendung
Senf ist eine ausgezeichnete und auch billige Gründüngungspflanze und gute Bienenweide. Die Samen werden für die Speisesenfherstellung benötigt, aber auch für Einlegegemüse. Senfmehl kann als natürlicher Emulgator und Stabilisator verwendet werden und wird daher auch in Wurstwaren eingesetzt. Sein Geschmack ist scharf und verliert auch bei Lagerung bzw. Verarbeitung seine Schärfe nicht.

Boden und Klima
Senf hat eine weite ökologische Streubreite, gedeiht aber in mäßig feuchtem Klima am besten . Schwere Fröste verträgt er nicht. Dagegen ist er bis zu einem gewissen Grad trockenresistent, allerdings nicht während der Blüte. Trockenheit in dieser Zeit führt zu Ertragseinbußen. Er gedeiht auch auf den meisten Böden, bevorzugt werden fruchtbare tiefgründige Böden mit einem pH-Wert um 7.Senf
verträgt relativ hohe Salzgehalte im Boden, Staunässe wird hingegen schlecht vertragen, ebenso sehr trockene Standorte. 

Sortenbeispiele
Gisilba, D Ochre, CDN Trico, S, Kirby, GB Tilney, USA Valiant, DK

Weißer Senf für Körnernutzung: Mikado

Düngung (kg/ha)

Stickstoff N
Phosphat P2O5
Kali K2O
Kalk (CaO)
Organische Düngung 
70-1001
45
80 
1.500 kg/ha2
 Im Herbst
1 je nach Vorfrucht
2 auf kalkarmen Standorten

Erfolgt eine organische Düngung, so ist die mineralische N-Düngung dementsprechend zu reduzieren. Überhöhte Stickstoffgaben führen zum Lagern. Senf reagiert in Gebieten mit Schwefelmangel gut auf Schwefeldüngung. 

Anbau:

Anbautermin
1000
Kornmasse g
Reihenweite cm
Saattiefe cm
Pflanzen/m²
Saatstärke kg/ha
So früh als möglich
5-10 g
Um 14 cm
1-2 cm
50 - 60
8-14 kg/ha

Senf braucht ein festes und feuchtes Saatbett. Früher Anbau ermöglicht einen rascheren Bestandesschluss und damit werden Unkräuter besser unterdrückt. Der Anbau erfolgt zumeist mit normalen Getreidedrillmaschinen.

Unkrautregulierung
Nur bei weitem Reihenabstand ist eine Reihenhacke möglich. Striegeln nach dem Aufgang ist nicht möglich. Chemische Unkrautbekämpfung mit Trifuralin vor dem Anbau und am besten in den Boden eingearbeitet gegen Gräser und breitblättrige Unkräuter.

Schädlinge 
Erdflöhe können gleich nach dem Auflaufen auftreten, sind aber ungefährlich, solange sie nicht die Triebspitze abfressen. Größere Schäden kann die Kohlrüben-blattwespe verursachen. Sie besiedelt zuerst die Blattunterseite und kann in der Folge ganze Bestände kahl fressen. KARATE ZEON ist gegen beissende und saugende Insekten genehmigt.

Krankheiten 
Es können sowohl der Echte als auch der Falsche Mehltau auftreten; gegen beide Krankheiten ist ORTIVA (1,0 l/ha) sehr gut wirksam. Auch Sklerotinia (Weißstängeligkeit) kann zu größeren Schäden führen; dagegen hilft der Einsatz von SCORE (0,4 l/ha) . Generell haben Sonnenblume, Raps, Saflor und Sojabohne ähnliche Krankheitsprobleme, weshalb deren Anteil in der Fruchtfolge gering gehalten werden sollte.

Ernte und Ertrag
In der Regel wird Senf direkt gedroschen, unter schwierigen Klimaverhältnissen auch vom Schwad. Er neigt normalerweise nicht zum Ausfall. Um trotzdem Verluste zu vermeiden, sollte Senf direkt unter den Samenständen geschnitten werden. Damit gelangt weniger Stroh in die Dreschmaschine und die Reinigung erfolgt effizienter. Die Pflanze sollte bereits dürr und die Samen in der Schote gelb sein. Um die Samen nicht zu beschädigen, sollte vorsichtig und mit nicht zu hoher Dreschtrommeldrehzahl
gedroschen werden. Wegen seines hohen Fettgehalts würden die Samen sonst rasch ranzig werden.

Die Erträge schwanken je nach Witterungsverlauf. Mit 1.500 kg/ha kann man in „Normaljahren" jedenfalls rechnen. Bei längerer Lagerung sollte der Feuchtigkeitsgehalt der Samen um 10% liegen.